Die Brücke am Breitenbachplatz soll weg

Zustimmung unter allen Parteien bei Anwohnerversammlung.

Seit den 70er-Jahren schlägt die Brücke des Autobahnzubringers eine brutale Schneise durch den Breitenbachplatz. Die Bürgerinitiative Breitenbachplatz macht nun Druck, das Bauwerk abzutragen. Bei einer Anwohnerversammlung hätten sich Bezirksverordnete und Abgeordnete von CDU, SPD, Grünen und FDP aus den anliegenden Bezirken Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf für den Rückbau ausgesprochen. Auch die Linke, die bei dem Termin nicht vertreten war, steht demnach hinter den Zielen der Initiative.

Andere Verkehrssituation

Unklar ist, inwiefern die Parteien das Thema nun weiterverfolgen werden. Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Steglitz-Zehlendorf hat im Juni vergangenen Jahres einen Antrag der Grünen-Fraktion beschlossen, worin ein „perspektivischer“ Brückenabriss und die Erstellung einer Machbarkeits- und Verkehrsstudie gefordert wird. Die seinerzeit angedachten Verlängerungen der Autobahn seien nicht Realität geworden und inzwischen habe sich die Verkehrssituation in der Hauptstadt grundlegend verändert, so die Begründung. Ein gleichlautender Antrag der Grünen-Fraktion Charlottenburg-Wilmersdorf wurde vergangenen Januar von der BVV in den Ausschuss für Stadtentwicklung überwiesen.

Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz hat bereits deutlich gemacht, dass ein kurzfristiger Rückbau der Brücke am Breitenbachplatz nicht vorgesehen sei. Staatssekretär Stefan Tidow gab allerdings ein Hoffnungszeichen: Wegen Sanierungsarbeiten muss der Tunnel Schlangenbader Straße, also die Verlängerung der über den Breitenbachplatz führenden Schildhornstraße, demnächst gesperrt werden. Derzeit wird an einem Verkehrskonzept für diese Zeit gearbeitet. Dieses könnte ein Fingerzeig für einen Breitenbachplatz ohne Brücke sein, gab Tidow zu verstehen.

Anwohner mitnehmen

Darauf setzt auch der Steglitzer SPD-Abgeordnete Andreas Kugler. „Die Bauarbeiten an der ,Schlange’ könnten dazu führen, dass sich der Verkehr langfristig neu verteilt“, sagt er. „Um besser für die Zeit nach dem Bauvorhaben planen zu können, sollte der Senat Verkehrszählungen durchführen.“ Der Verkehrspolitiker fordert Senat und Bezirke auf, die Anwohner bei den Planungen für den Breitenbachplatz mitzunehmen. „Ohne den Druck der Anwohner wird sich nichts tun“, so Kugler. Gleichzeitig dämpft er die Erwartungen: „Man muss realistisch bleiben. Der Senat hat alle Hände voll zu tun, marode Brücken anzufassen. Da geht es um Sicherheit. Bei der Breitenbachplatzbrücke steht der Wohlfühlcharakter im Vordergrund.“

Um einen Verkehrskollaps zu vermeiden, könnten etwaige Abrissplanungen ohnehin erst nach dem Ende der Arbeiten am Steglitzer Kreisel und an der Westtangente, also nicht vor dem Jahr 2024, beginnen. Der ehemalige Senatsbaudirektor Hans Stimmann warb bei der Anwohnerversammlung für eine Radikallösung: Demnach würde der gesamte Autobahnabzweig in Schmargendorf stillgelegt. Der überörtliche Verkehr würde auf der A 100 bleiben, der örtliche sich auf die vorhandenen Straßen verteilen.

Datum: 27. September 2018. Text: Nils Michaelis. Bild: imago/Schöning