Künstler fordern ihren Teil vom Spreepark

Künstler wollen eigene, regionale Ideen für den Spreepark umsetzen.

Dort, wo früher der Rummel mit Riesenrad, Parkeisenbahn und Karussells tobte, ist seit vielen Jahren gespenstische Ruhe eingekehrt. Während Verfall und eine wild wuchernde Pflanzenwelt dem Spreepark einen unvergleichlich morbiden Charme verleihen, sind die ersten Pläne zur Wiederbelebung des rund 23 Hektar großen Geländes bereits von der landeseigenen Projektgesellschaft Grün Berlin GmbH präsentiert worden.

Kreative Ideen

Seit 2016 hatte man in Workshops und Dialogveranstaltungen gemeinsam mit Bürgern und Nachbarn dazu Pläne entwickelt. „Ein Ort für künstlerisches Schaffen, der einlädt dabei zu sein und mitzumachen“, hatte Grün-Berlin-Geschäftsführer Christoph Schmidt die Rahmenplanungen gelobt. Geknickt gepflanzte Bäume, urgemütliche Erzählerbanken, Trägergerüste mit Bienenstöcken und Landschaftsbilder aus Staudenpflanzungen wurden exemplarisch für künstlerische Ergänzungen zu den wild gewachsenen Naturflächen auf der halböffentlichen Senatsveranstaltung Ende Mai vor Ort präsentiert.

Fundierter Kritikkatalog

Einen „beliebigen Verwertungsteppich“ nennt die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Katalin Gennburg diese Pläne. Sie hatte jetzt auch ein Floßdemo Mitte September mitorganisiert, auf der die Demonstranten dazu aufforderten, „eine der letzten stadtnahen Freiflächen für das Schrille, das Schräge, das Nicht-Eingängige, das Berlin ausmacht, zu reklamieren.“ Das zur Spreeparkentwicklung versprochenen Beteiligungsverfahren hätte seit zwei Jahren beteiligte Akteure teils gar nicht einbezogen oder nach und nach ausgeschlossen, so der Vorwurf. Der Frust sei nun groß genug, um Menschen mit eigenen Ideen in den Planungsprozess zu integrieren, damit „die bessere Hälfte“ des mit 48 Millionen Euro steuerfinanzierten Großprojektes „Spreepark Berlin“ eingefordert werden kann.

„Wir brauchen hier keine zweite Internationale Gartenausstellung und eintrittsfinanzierte Attraktionen hinter einem Zaun“, so Gennburgs Kritik, der sie – gemeinsam mit verschiedenen Initiativen wie der Berliner Club-Commission und dem Musicboard Berlin Taten folgen lassen will: „Das Riesenrad mit Lametta behängen, einen Bootsanleger bauen, Tanzen, Gärtnern, Yoga oder Betonteile drucken“, lauten die exemplarischen Vorschläge der Initiative. Vergleichbare Projekte dazu seien die Kreuzberger „Prinzessinnengärten“ und das Weddinger „Himmelbeet“.

Mit eigenem Konzept

Ziel sei es vor allem, den verwunschenen Ort behutsam zu entwickeln und nicht als nächste „langweilige Eventbude“ für Tagestouristen aufzubauen. Unter genossenschaftlicher Regie wolle man nun Ideen mit regionalem Zuschnitt und echtem Bildungscharakter entwickeln, um auch Künstlern einen neuen Ort zu bieten, die in den vergangenen Jahren ihre Ateliers und Galerien im Zentrum der Stadt aufgrund steigender Miet- und Nutzungspreise verloren haben. Ein Gesprächstermin mit Staatssekretär Stefan Tidow von der Senatsverwaltung für Umwelt und Stadtentwicklung wurde Gennburg und ihren Mitstreitern nun bereits in Aussicht gestellt.

Datum: 27. September 2018, Bild: Imago /Future Image  Text: Stefan Bartylla