Politik fordert Drogenkonsummobil

Verordnete beschließen ein umfangreiches Maßnahmenpaket.

Die Bezirkspolitik reagiert nun auf die spürbar gewachsene Drogenszene im Bezirk. Mehrheitlich beschloss die Bezirksverordnetenversammlung jetzt, den Einsatz eines Drogenkonsummobils im Bezirk voranzutreiben. Mittelfristig soll es eine neue Kontaktstelle für Suchtkranke geben.

Der Antrag von SPD, Grünen und Linken reagiert auch auf die zunehmenden Funde von Konsumutensilien wie gebrauchten Spritzen, die immer häufiger von Anwohnern auf Spielplätzen und in Parks entdeckt werden. Besonders auffällig sind mehrere Orte entlang der U-Bahn-Linie U7, darunter der Nollendorfplatz, der Bayrische Platz oder der Bereich an der Apostel-Paulus-Kirche sowie der nahe Spielplatz an der Merseburger Straße. In diesem Bereich ist das Problem so ausgeprägt, dass sich Anfang des Jahres die Bürgerinitiative „Clean Kiez“ gründete, die sich zum Ziel gesetzt hat, Verantwortliche an einen Tisch zu bringen, um Lösungen zu finden und umzusetzen.

Daten sammeln

Der Einsatz eines Drogenkonsummobils soll zunächst dabei helfen, die Drogeneinnahme aus dem öffentlichen Raum herauszubekommen und damit das Problem der zum Teil gefährlichen Hinterlassenschaften zu lösen. Darüber hinaus sollen während der Einsätze aber auch Daten darüber gesammelt werden, wo im Bezirk es potenzielle Hotspots der Drogenszene gibt. Diese Information ist wichtig, um mittelfristig den richtigen Ort für eine Beratungsstelle, möglicherweise sogar für einen festen Drogenkonsumraum zu ermitteln. „In der Drogenhilfe gibt es in unserem Bezirk nur zwei Angebote an die Konsumenten, das Olga in der Kurfürstenstraße, speziell für Frauen und Sexarbeiterinnen sowie eine Kirchengemeinde mit ihrer Suppenküche“, so der Grünen-Fraktionsvorsitzender Rainer Penk. „Was uns fehlt, ist eine Verzahnung der einzelnen Angebote mit der Suchthilfe, ein strategisches Maßnahmenpaket gegen die Sucht. Dieses Maßnahmenpaket wollen wir jetzt schnüren.“

Spritzenbehälter aufstellen

Im Klartext heißt dies auch, dass der Bezirk ermitteln soll, in welchem Maß und an welchen Orten Beratungsangebote und Sozialarbeit erforderlich sind, um suchtkranken Menschen zu helfen und gleichzeitig den öffentlichen Raum zu entlasten. Bisher gibt es im Stadtgebiet nur ein Drogenkonsummobil und zwei regelmäßige Standorte, und zwar in Charlottenburg-Wilmersdorf und in Neukölln. Der BVV-Beschluss geht aber noch weiter und empfiehlt dem Bezirksamt, an bekannten Konsumorten Behälter aufzustellen, in denen Spritzen sicher entsorgt werden können. Als potenzielle Standorte vorgeschlagen werden der Nelly-Sachs-Park, der Nollendorfplatz, der U-Bahnhof Yorckstraße, der Kurt-Hiller-Park, die Apostel-Paulus-Kirche, die Zwölf-Apostel-Kirche, der Bayrische Platz und der S-Bahnhof Tempelhof.

Eine abschließende Liste ist dies nicht, der Bezirk soll laut Antrag gegebenenfalls weitere Konsumorte identifizieren und dort solche Behälter aufstellen. Schließlich fordert der BVV-Beschluss den Bezirk noch auf, zu prüfen, ob neue Stellen in der aufsuchenden Drogenhilfe geschaffen werden müssen. Diese Form von Sozialarbeit soll dabei helfen, den Suchtkranken den Übergang in das Suchthilfesystem zu erleichtern und diesen zu fördern sowie die Konsumenten auf das Nutzen und die Standorte der Abwurfbehälter hinzuweisen.

Datum: 2. Oktober 2018, Text: Redaktion, Bild: Thinkstock/iStock/Diy13