Zu Fuß in die mobile Zukunft

Eckpunkte für Mobilitätsgesetz fordern kürzere und bessere Gehwege.

Mehr zu Fuß gehen ist die Devise. In Zukunft sollen in der Hauptstadt viel mehr Wege auf diese Art zurückgelegt werden. Eckpunkte für die Fußverkehrförderung im Rahmen des Mobilitätsgesetzes wurden jetzt vorgelegt. Für Neukölln wäre das ein kleiner Glücksfall, denn hier gibt es trotz vieler Bemühungen immer noch Defizite.

Im „Dialog Fußverkehr“ haben die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, die Parteien der Regierungskoalition und diverse Partner aus Mobilitätsverbänden die Eckpunkte für das festgezurrt, was Mitte kommenden Jahres in das Mobilitätsgesetz aufgenommen werden soll. Ziel ist es, die Zahl der zu Fuß zurückgelegten Wege deutlich zu steigern. Unter anderem sollen die Wege direkter und kürzer werden. Mehr Mittelinseln sowie an Ampeln das Queren in einem Zug (wie zum Beispiel am Checkpoint Charlie) könnten Zeit- und Wegersparnis bringen. Es soll häufiger Abkürzungen durch Bauwerke und Anlagen geben. Zuwegungen zum öffentlichen Nahverkehr könnten besser, das Umsteigen leichter werden. Kinderfreundlichkeit spielt ebenso eine Rolle wie die Sicherheit von Fußwegen im Allgemeinen. Sogar der Klimawandel wird mit eingeplant, ausreichender Sonnenschutz und bessere Entwässerung bei Starkregen sind hier Stichworte. Bei allen Planungen soll die Öffentlichkeit stärker mit eingebunden werden.

Wichtiger Selbstversuch

Bei allen Erwägungen ein wichtiger Aspekt des Eckpunktepapiers: Die Barrierefreiheit. Im Vorfeld hatte es Stadtspaziergänge gegeben, bei denen die Verantwortlichen unter anderem mit gemieteten Rollatoren und Rollstühlen unterwegs waren – und am eigenen Leib erfuhren, wo die Defizite liegen.
Kleine Maßnahmen. Für die Attraktivität von Wegen ließe sich aus Sicht der Beteiligten so manches auch schnell verbessern. „Städte wie New York haben vorgemacht, dass keine Megaprojekte nötig sind, die Jahrzehnte brauchen und Milliarden kosten, um die Stadt lebenswert zu machen“, so Tim Lehmann vom Verein Changing Cities, der auch für den Volksentscheid Fahrrad verantwortlich zeichnet. „Fast über Nacht können mit Einsatz günstiger Materialien – zum Beispiel mit farblichen Markierungen, Bänken und Blumentöpfen – aus wenig benutzten Straßen oder Kreuzungen Plätze und Orte zum Spielen entstehen.“

Zugeparkte Kreuzungen

Georg P. Kössler, für die Grünen im Abgeordnetenhaus, sieht in dem Eckpunktepapier vieles, das auch den Bezirk betrifft und Hand in Hand mit dem geht, was auch für Radfahrer wichtig ist. „Wenn die Fahrbahnen nicht attraktiv sind, werden Radfahrer auf Gehwege ausweichen“, sagt er. Darüber hinaus sei der Bezirk in der Pflicht, mit einfachen Maßnahmen die Kreuzungen in den Kiezen zu entschärfen. Zum Beispiel müssten vielerorts Poller dafür sorgen, dass sie nicht zugeparkt werden. Auch eine Parkraumbewirtschaftung müsse weiter diskutiert werden, um Autos aus dem Weg zu bekommen, welche die Kieze zulasten der Fußgänger und Radfahrer verstopfen. Die oft kleinteiligen Gehweg-Beläge müssten nicht unbedingt ersetzt, aber zum Teil ertüchtigt werden. Der Senat habe dafür ja schon für den aktuellen Doppelhaushalt sechs Millionen Euro im Rahmen eines Gehweg-Programms zur Verfügung gestellt. Er gehe davon aus, dass im nächsten Haushalt noch einmal nachgelegt werde. Er verspreche sich viel von den neuen Plänen.

Datum: 06.10.2018, Autor; Oliver Schlappat, Bild: imago/Olaf Selchow