Die Macher der Karlshorster Theatergasse

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Statt Streit mit dem Amt gibt es jetzt Glanz Gasse in Karlshorst.

Die Theatergasse ist ohne Zweifel eines der schönsten Schmuckstückchen, die Karlshorst derzeit zu bieten hat. Seit Oktober 2017 organisierten, bastelten, pflanzten und malerten Merten Mordhorst und Mitstreiter Mario Rietz an der Neugestaltung der rund vierzig mal drei Meter großen Fläche mit den ganz besonderen Besitzverhältnissen. Ein Teil der kleinen Gasse gehört der öffentlichen Hand, ein anderer Teil der benachbarten Auto-Werkstatt von Merten Mordhorst. Als im Herbst vergangenen Jahres Mitarbeiter des Lichtenberger Grünflächenamtes damit begannen, die Bepflanzungen auf diesem Grundstücksstreifen zu roden, war der Streit vorprogrammiert. „Klar war ich sauer und dachte schon darüber nach, mit der Sache vor den Richter zu gehen“, erzählt der Kfz.-Mechaniker, der vor gut acht Jahren mit seiner Werkstatt hierher gezogen war.

Die gestalterische Offensive stand am Anfang

Irgendwie kam Mordhorst durch einen Zufall mit Pressefotograf und Nachbar Mario Rietz über diese Sache ins Gespräch. Die Idee, diesen Streit einfach konstruktiv anzugehen, war schnell geboren. „Anstatt auf mein Recht zu pochen, war von da an der Plan, hier eine Theatergasse für alle Karlshorster Nachbarn zu gestalten“, erklärt Mordhorst seine Motivation. „Das Wurzelwerk der Sträucher und Bäume hatte das Pflaster aufgerissen. Das Mauerwerk hatte schon jahrelang keinen neuen Anstrich mehr bekommen und auch die Reste der Holzpergola über dem Gehweg war völlig verrottet“, beschreibt er die Ausgangssituation des Projektes.

Knapp zwölf Monate später ist die einstige Ruine nun zu einer echten Karlshorster Perle poliert worden: Die Wand wurde mit Motiven aus der Kiez-Geschichte gestaltet, die Pergola neu aufgebaut und das Gehwegpflaster sachgerecht vergelegt. „Letztes Jahr haben wir hier noch in der Pampe gestanden und jetzt bekommen wir sogar die Bürgemedaille vom Bürgermeister für unseren Einsatz überreicht“, zieht Mario Rietz ein stolzes Fazit. „Das ist eine schöne Ehre für uns. Aber ohne unsere Sponsoren, die Hilfe der vielen Nachbarn und das Engagement aller Beteiligten hätten wir das nie geschafft“, sagt Mordhorst, der betont, dass sich all die Mühe auch emotional besonders gelohnt habe.

Gemeinsames gestalten

 

Du musst auch bereit sein, nicht alles hinzunehmen, was dir die Behörden vorsetzen. In konstruktiven Diskussionen finden sich oft die besseren Lösungen“, ergänzt Mario Rietz. Und eben an diesen Lösungen habe auch das Grünflächenamt schließlich mitgearbeitet. „Als die sahen, wie wir uns hier reinhängen, haben die sich doch nicht lumpen lassen und uns auch noch erstklassige Magnolia-Kobushi-Bäumchen hierher gesetzt“, sagt Rietz. „Mindestens alle vier Wochen gab es hier was zu tun oder haben wir hier etwas veranstaltet“, sagt Mordhorst. Ein Pflanzfest, ein Schachturnier und ein kleines Konzert hat es in diesem Jahr hier schon gegeben. Am 20. Oktober, ab 14 Uhr, gibt es ein Weinfest (bitte unbedingt eigene Gläser mitbringen), das vom benachbarten Weinhändler Uncinanor aus der Ehrenfelsstraße organisiert wird.

Wichtige Erkenntnisse

Im kommenden Frühjahr werde die Saison schließlich mit einem kleinen Literaturfest eröffnet. Dafür macht sich die in der direkten Nachbarschaft wohnende Literaturagentin Saskia von Hogen bereits jetzt auf die Suche nach geeigneten Autoren. „Wer eine ähnliche Ideen hat, darf sich sich ruhig bei uns melden. Wir haben ein paar ganz gute Erkenntnisse im vergangenen Jahr gewonnen, um Sponsoren zu begeistern, mit den Ämtern zu verhandeln und auch die Nachbarschaft zu aktivieren“, zeigt sich Rietz offen für zukünftige Aktionen.

Mehr Infos auch zum bevorstehenden Weinfest gibt es auch auf er Facebook-Site der Initiative ein Theatergasse für alle

10.12.2018, Bild und Text: Stefan Bartylla