Bezirk zeigt Obdachlosen die kalte Schulter

BVV Steglitz-Zehlendorf lehnt Kältehilfe-Standort im alten Ratskeller ab.

Es ist Herbst und an vielen Orten der Hauptstadt läuft die Kältehilfe-Saison an. Nicht so in Steglitz-Zehlendorf. Dort  streiten Bezirkspolitiker über Kosten und Bedarf eines solchen Angebots.

Die SPD-Fraktion hatte in einem Antrag gefordet, den ungenutzten Ratskeller Zehlendorf als Kältehilfe für Obdachlose zur Verfügung zu stellen. Mit den Stimmen von CDU, Grünen und AfD wurde der Antrag in der letzten Bezirksverordnetenversammlung (BVV) wegen zu hoher Kosten und zu geringen Bedarfs abgelehnt. „Der Beschluss ist ein Armutszeugnis für die Menschlichkeit in unserem Bezirk“, erklärt die SPD-Bezirksverordnete und Vorsitzende des Ausschusses für Pflege und Soziales, Juliana Kölsch. „Obdachlosigkeit ist nicht nur ein Problem der Innenstädte. Auch unser Bezirk muss hier Verantwortung übernehmen.“

Erfrieren verhindern

Während der kalten Jahreszeit mangele es an Unterbringungsmöglichkeiten für Obdachlose in Steglitz-Zehlendorf. Deshalb sollten auch dort weitere Möglichkeiten gefunden werden, um Obdachlose vor dem Erfrieren zu bewahren. „Der Ratskeller im Rathaus Zehlendorf steht nach wie vor leer, was vor dem Hintergrund der dringend benötigten Räume für Obdachlose im Winter nicht zu rechtfertigen ist“, heißt es in der Begründung des Antrags. Das Gebäude in der Martin-Buber-Straße sollte so einer sinnvollen Zwischennutzung zugeführt werden.

“Das Amt für Soziales bemüht sich fortlaufend, eine oder mehrere geeignete Immobilien im Bezirk zu finden und dort Unterbringungsmöglichkeiten für obdachlose Frauen und Männer im Rahmen der Kältehilfe einzurichten”, so Bezirksstadrat Frank Mückisch in seiner Beantwortung einer Anfrage der Linke-Fraktion. “Für das Jahr 2018/19 war die zuletzt genutzte Immobilie jedoch nicht mehr verfügbar und bislang ist es trotz intensiver Bemühungen nicht gelungen, eine Ersatzimmobilie zu finden.” Im vergangenen Winter hatte die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) ein Gebäude in der Königin-Luise-Straße 98 zur Verfügung gestellt. Dort hat der Internationale Bund für Sozialarbeit eine Unterkunft für 30 obdachlose Frauen und  Männer betrieben. Diese sei zu 66,7 Prozent ausgelastet gewesen, so Mückisch.

Überfüllte Unterkünfte

Schätzungen zufolge leben rund 5.000 Obdachlose in Berlin, und im Winter sind die Notunterkünfte oft überfüllt. Daher startete die Kältehilfe in diesem Jahr bereits Anfang dieses Monats anstatt im November. Im Rahmen der Berliner Kältehilfe gibt es neben den ganzjährig geöffneten Notübernachtungsmöglichkeiten weitere 139 Schlafplätze nicht nur in Innenstadtkiezen wie Alt-Treptow, Mitte, Friedrichshain und Kreuzberg, sondern auch in Wedding, Marzahn, Alt-Hohenschönhausen, und Spandau. Auch zwei Nachtcafés öffnen.

Nach und nach soll die Zahl der Schlafgelegenheiten ausgebaut werden, sodass im Winter insgesamt etwa 1.000 Schlafplätze zur Verfügung stehen, sagte Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Die Linke) dem RBB. Rund 100 davon müssten noch organisiert werden. Sie sei aber optimistisch, dass das auch gelinge. Im vergangenen Winter waren bis zu 1.264 Plätze vorhanden.

Datum: 13. Oktober 2018. Text: Nils Michaelis. Bild: Thinkstock/iStock/ KatarzynaBialasiewicz