Die Kinder vom Kotti

Grundschüler zeichnen ihre Sicht auf den Brennpunkt-Kiez.

Von vielen Berlinern wird das Kottbusser Tor oftmals als Problemort angesehen. Zu viele Touristen, Gewaltverbrechen, Drogenhandel und immer dröhnt das Martinshorn durch die Straßen – das bleibt in den Köpfen der Menschen hängen. Was kaum wahrgenommen wird: Am „Kotti“ leben mehr als 2.000 Menschen. Sie sind hier zuhause, gehen abends schlafen, stehen morgens auf, Kinder gehen zur Schule und wachsen hier heran. In einer Ausstellung, die ab sofort am U-Bahnhof Kottbusser Tor zu sehen ist, beschreiben Kinder in Zeichnungen ihre Sicht auf den Kiez, formulieren Wünsche und geben einen Einblick in ihr Leben. Die Ausstellung trägt den Namen „Wir sind der Kinder Kotti“ und feierte ihren Auftakt mit einer Kinderdemonstration mit Musik und in Anwesenheit von Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann.

Vierzig Transparente

Zwei Monate ist es her, dass Mitglieder des Kotti-Coop e.V. in den Kunstunterricht der Klasse 5b an der Jens-Nydahl-Grundschule gegangen sind und ihre Idee von einer Kinder-Ausstellung vorgetragen haben. Der Verein engagiert sich politisch und sozial, aber auch was das Gemeinwesen betrifft. „16 Kinder haben sich letztendlich an der künstlerischen Aktion beteiligt“, sagt Vereinsmitglied Alexander Kaltenborn. Das Ergebnis, gedruckt auf 40 großen Transparenten, kann sich sehen lassen. An den vier Außenseiten der U-Bahn-Station durften die Kunstwerke in Absprache mit der BVG angebracht werden.

Bunter Kiez

„Die Ausstellung soll den Negativbildern etwas entgegensetzen und verdeutlichen, dass am Kottbusser Tor auch viele Kinder mit sehr unterschiedlichen Geschichten leben“, sagt Kaltenborn. Die Kinderzeichnungen machen den Kotti bunter und erinnern daran, dass Kinder oftmals die besten Ratgeber für das Leben sind. Das beweisen Sprüche wie „Ich habe einen Bonbon-Brunnen gemalt, damit die Kinder jeden Morgen Bonbons essen können“ und „Ich wünsche mir, dass es am Kotti einen Fernsehturm und fliegende Hunde mit einem Peace-Zeichen gibt“ sowie „Ich wünsche mir Einhörner für den Kotti, weil Einhörner sehr schön sind“.

Zusammenhalt fördern

Der gemeinnützig Verein Kotti-Coop ist im Jahr 2015 von Anwohnern des Kottbusser Tors gegründet worden. Viele seiner Mitglieder engagieren sich seit Jahren ehrenamtlich aktiv im Kiez für die Interessen der Bewohner im Sinne einer sozialen Mieten- und Stadtteilentwicklung für alle. „Uns geht es darum, den nachbarschaftlichen Zusammenhalt fördern und über alle Unterschiede hinweg das interkulturelle Miteinander zu stärken“, heißt es auf der Website des Vereins. Die Mitglieder arbeiten eng mit allen Akteuren zusammen und sind auch im Quartiersrat des Quartiersmanagements Zentrum Kreuzberg / Oranienstraße seit vielen Jahren aktiv.

Die Ausstellung wurde aus Mitteln des berlinweiten Programms „Soziale Stadt“ finanziert.

Datum: 14. Oktober, Autor: Sara Klinke, Bild: Jens-Nydahl-Grundschule