Bildung für Suchtkranke

Die Tannenhof-Schule blickt auf eine 30-jährige Geschichte zurück.

Alles begann im Jahr 1988, als eine erste Wohngruppe des Suchthilfe-Trägers Tannenhof Berlin-Brandenburg ganz eigenverantwortlich und aus eigener Kraft heraus ein Beschulungsprojekt startete. Mit dabei: fünf ehemals Drogenabhängige und eine Lehrerin.

Schulabschlüsse gab es damals noch keine. Heute, 30 Jahre später, können junge Menschen mit Suchthintergrund an der Tannenhof-Schule auf drei staatlich anerkannte Schulabschlüsse hinarbeiten: die Berufsbildungsreife, die erweiterte Berufsbildungsreife und den mittleren Schulabschluss (ehemals Realschulabschluss). Mehr als 70 Schüler zählt die Einrichtung im Moment. Acht Lehrer und fünf Dozenten für spezielle Themengebiete sind engagiert. Am 12. Oktober feierte die Tannenhof-Schule ihr Jubiläum mit Ehemaligen und begab sich auf eine Zeitreise durch die vergangenen Jahrzehnte. Mit dabei: Senatorin Sandra Scheeres (SPD, Foto Mitte) und Gabriele Laubmann (Foto links), Leiterin der Tannenhof-Schule.

Eine Erfolgsgeschichte

Im Jahr 1989 nimmt die Vision einer Schule für ehemals Süchtige mehr und mehr Form an und wird immer „schul-ähnlicher“: Die Elisabeth-Rotten-Schule nimmt das Projekt als „Filiale“ auf. Erstmalig gibt es alle prüfungsrelevanten Fächer für den extern zu absolvierenden Hauptschulabschluss. Ein Jahr später folgt der nächste große Schritt: Schüler können die Mittlere Reife absolvieren, die Schülerzahl ist inzwischen auf 25 gestiegen. Der Umzug in die Mahlower Straße in Neukölln im Jahr 1999 bringt erstmalig mehrere Klassen- und weitere Fachräume. Das Kollegium ist inzwischen auf fünf Lehrkräfte gestiegen, die Schülerschaft steigt weiter rasant auf 70. Der Europäische Sozialfonds steigt im Jahr 2001 in die Förderung der Tannenhof-Schule ein: Somit können Eingangsklassen eingerichtet und neues Personal eingestellt werden. Nächster wichtiger Meilenstein: 2008 beginnen die Arbeiten im Maßregelvollzug Berlin-Buch: Die Außenstelle Pankow der Tannenhof-Schule wird gegründet und Abhängige im Gefängnis werden regelmäßig unterrichtet.

Jüngste Entwicklungen

2010 wird die Tannenhof-Schule als offizieller Schulversuch des Landes Berlin anerkannt. Somit ist sie endgültig auf dem Weg zu einer ganz normalen Schule. Die Schülerzahl ist mit mehr als 100 Personen auf ein Zwischenhoch gestiegen. 2014 wird die Schule des Tannenhof Berlin-Brandenburg als „Lehrgang mit besonderer pädagogischer Prägung des Zweiten Bildungsweges“ anerkannt. Sie darf Prüfungen nun selber abnehmen. In ihrem 30. Jahr ist die Schule immer noch genauso wichtig wie in den Anfangsjahren. Weiterhin ist sie bundesweit eine der wenigen Einrichtungen, wo ehemals Suchtmittelabhängige Schulabschlüsse nachholen können. Ein drogenfreies Leben ist Voraussetzung für die Aufnahme an der Schule. Interessierte erhalten weitere Infos auf der Website des Trägers.

Datum: 18. Oktober, Autor: red, Bild: Tannenhof Berlin-Brandenburg