Sicheres Dach über dem Kopf

Bezirk plant noch mehr Kältehilfe-Plätze – auch für Frauen.

Sie bieten warme Mahlzeiten, gemütliche Schlafplätze oder einfach ein Dach über dem Kopf: Die Obdachlosenunterkünfte, Nacht-Cafés und Notübernachtungen sind für viele Wohnungslose vor allem in der nahenden kalten Jahreszeit überlebenswichtig. Auch die Notübernachtung in der Rathenower Straße 16ist so ein Zufluchtsort. „40 Schlafplätze bieten wir hier an, davon acht für Frauen“, erklärt Pawel Slod-czyk, der sich mit rund 35 Ehrenamtlichen um die Obdachlosen kümmert. Die kommen auch jetzt schon, trotz des noch milden Herbstes, in die Unterkunft. Wer Sachspenden abgeben möchte, hat dazu täglich ab 18 Uhr in Gelegenheit. Gesucht werden derzeit noch vor allem warme Winterkleidung, Socken, Unterwäsche und Decken. Die Notunterkunft ist eine von vielen Einrichtungen für Obdachlose im Bezirk.

Neue Angebote

Die einzige, die sich ausschließlich an Frauen richtet, war bislang „Evas Haltestelle“. Die hat in diesem Monat ihre neuen Räume in der Müllerstraße bezogen und kann nun 20 statt zehn Frauen einen Schlafplatz anbieten. Dabei soll es im bevorstehenden Winter aber nicht bleiben. „Der Bezirk kann sein Angebot für die kommende Saison deutlich erweitern und ein neues Angebot der Arbeiterwohlfahrt für 50 Frauen hinzufügen“, teilt das Bezirksamt mit. Im Rahmen eines Interessenbekundungsverfahrens werden aber noch weitere Träger gesucht.

Kältebus unterwegs

Wie in den letzten Wintern wird auch in diesem Jahr wieder der Kältebus durch Berlin fahren und Obdachlose mit Essen, warmen Getränken, Decken und Kissen versorgen. Trotz aller Bemühungen dürften aber erneut viele Wohnungslose frieren. „Noch ist es zu früh, um abzusehen, ob im kommenden Winter genügend Schlafplätze im Bezirk zu Verfügung stehen werden“, erklärt Hanna Meyer vom Evangelischen Campus Daniel, der sich ebenfalls an der Berliner Kältehilfe beteiligt. Die Zahlen zumindest sprechen dagegen. Auf die rund 1.000 geplanten Schlafplätze, die die Kältehilfe schaffen möchte, kommen Schätzungen zufolge rund 6.000 Obdachlose. Viele von ihnen kommen aus osteuropäischen Ländern wie Polen, Russland und Rumänien. „Die Nachfrage ist natürlich auch immer stark vom Wetter abhängig“, so Meyer. In diesem Jahr hat die Kältehilfe bereits am 1. Oktober begonnen. Für gewöhnlich startet das Angebot erst einen Monat später, am 1. November.

Neues Konzept

Neu in diesem Winter ist ein Modellprojekt der Berliner Stadtmission in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Träger Neue Chance. Bei „Housing first“ sollen Menschen, die auf der Straße leben, dauerhaft mit einer Wohnung versorgt werden. Eine Anlaufstelle dafür ist künftig auch in „Evas Haltestelle“ zu finden. Auch die U-Bahnhöfe sind nachts Anlaufpunkte für Wohnungslose. Die BVG gab bekannt, dass einige von ihnen Obdachlosen in diesem Winter offen stehen sollen. Zuvor hatten sie über eine Schließung nachgedacht.

Datum: 21. Oktober, Text: Katja Reichgardt, Bild: Thinkstock/iStock/bodnarchuk