Protest gegen Reisebusse auf der Museumsinsel

Anrainer reagieren bestürzt auf neue Haltestellen-Baupläne des Senats.

Die Museumsinsel gehört zu den meistbesuchten Orten Berlins. Zu den vielen Touristen und Berlinern, die hier zu Fuß unterwegs sind, gesellen sich jeden Tag noch dutzende Reisebusse, die schon jetzt zu einer angespannten Verkehrssituation führen.

Nun plant der Senat, noch weitere Busparkplätze zu schaffen. Für die Anrainer keine sinnvolle Lösung. „Dieses Konzept bedeutet keine Verbesserung der schon heute angespannten Situation, sondern wird das Bus-Chaos auf der Spreeinsel nur noch verschlimmern“, befürchten sie. In einem Schreiben mit dem Titel „Weltkulturerbe darf nicht zum Busbahnhof werden“ fordert eine Interessengemeinschaft die Senatsbauverwaltung nun auf, den Bau zusätzlicher Bushalteplätze zurückzustellen, bis „ein für diesen Weltkulturerbe-Ort angemessenes und in die Zukunft gerichtetes Verkehrskonzept“ abgestimmt ist.

Zusammengetan haben sich dabei die Staatlichen Museen zu Berlin mit ihren fünf Häusern auf der Museumsinsel, der Berliner Dom, die ESMT Berlin, die Hochschule für Musik, die Zentral- und Landesbibliothek Berlin und das Humboldt Forum im Berliner Schloss. Sie beklagen bereits die jetzige Verkehrssituation. Immerhin strömen täglich mehr als 20.000 Menschen auf die Museumsinsel, zum Lustgarten und zum neuen Schloss. Eine Vielzahl von ihnen reist mit großen Bussen aus dem Ausland an, die parkend Radfahrer und Fußgänger behindern.

Altes Konzept

Die aktuellen und noch für den Herbst geplanten Baumaßnahmen des Senats beruhen auf einem Verkehrskonzept aus dem Jahr 2008. Sie sehen unter anderem zusätzliche Stellplätze für Reisebusse direkt vor der Musikhochschule Hanns Eisler vor. Auch vor der Westfassade des Humboldtforums zum geplanten Einheitsdenkmal hin sollen Reisende künftig ein- und aussteigen. Im Koalitionsvertrag aus dem Jahr 2016 hieß es noch seitens des Senats, dass das Umfeld des Humboldtforums „verkehrsberuhigt“ bleiben soll. Der gesamte Straßenraum bis zum Brandenburger Tor sollte zudem fußgängerfreundlich umgestaltet werden. „Dabei wird der motorisierte Individualverkehr unterbunden zugunsten des Umweltverbundes“, hieß es in einer entsprechenden Erklärung.

Gefährdeter Status

Auf dieser Grundidee beruht auch das von der Interessengemeinschaft Kultur und Bildung Spreeinsel vorgeschlagene Konzept. Demnach werden Bushalteplätze entlang der Karl-Liebknecht-Straße und am Marx-Engels-Forum vorgeschlagen, die aber lediglich zum Ein- und Aussteigen dienen sollen. Die Vergabe von sogenannten „Slots“ zum etwa zehnminütigen Halt soll dabei möglichst über ein funkgesteuertes System erfolgen. Personal vor Ort soll die Busfahrer schließlich einweisen. Neuer Bahnhof. Auch der neue U-Bahnhof an der Museumsinsel könnte sich in Zukunft beruhigend auf den Verkehr auswirken. Er soll allerdings erst im Jahr 2020 öffnen. Bis dahin sollen andere Maßnahmen dafür sorgen, dass der Status „Weltkulturerbe“ an der Museumsinsel nicht so schnell in Gefahr gerät.

Datum: 24. Oktober 2018, Text: Katja Reichgardt, Bild: imago/PEMAX