Ein Umsturz, der Geschichte schrieb

Start der berlinweiten Reihe „100 Jahre Revolution – Berlin 1918/19“

In diesen Tagen wird dem Beginn der Novemberrevolution 1918 und dem Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren gedacht Mehr als 60 Berliner Einrichtungen und Institutionen erinnern mit der fünf Monate langen Reihe „100 Jahre Revolution – Berlin 1918/1919“ stadtweit in mehr als 250 Ausstellungen und Veranstaltungen an die historischen Ereignisse, die mit der Revolution begannen und zur ersten deutschen Demokratie führten. Das von der Kulturprojekte GmbH koordinierte Gemeinschaftsprojekt greift dabei aktuelle politische Debatten auf und fragt nach dem Umgang der heutigen Gesellschaft mit den Herausforderungen der Demokratie. Themen wie Pressefreiheit, Fake News, Populismus, das Recht auf Leben und Selbstbestimmung wurzeln ungeahnt tief in der Revolutionszeit.

Soziale Grundrechte

Das Kriegsende und die Schaffung der ersten parlamentarischen deutschen Demokratie sind entscheidende Wegemarken, die auch die Geschichte der Stadt nachhaltig geprägt haben. Eine wesentliche Leistung der Revolution bestand darin, durch den Sturz der Monarchie den Weg frei gemacht zu haben für eine demokratische Gesellschaftsordnung.

Gebäude des Berliner Tageblattes in der Schützenstraße

Marineposten vor dem zerschossenen Schlosseingang

Trauerzug für Rosa Luxemburg

Vorwärts-Gebäude in der Lindenstraße

Zum ersten Mal in der deutschen Geschichte konnten in der Folge entscheidende soziale und individuelle Grundrechte, etwa Frauenwahlrecht und Meinungsfreiheit, in einer Verfassung verankert werden – der Weimarer Reichsverfassung von 1919. Doch die Revolution von 1918/1919 schuf zugleich eine zutiefst gespaltene und verunsicherte Gesellschaft. Blutige Straßenkämpfe forderten zahlreiche Tote, die der Eskalation von Gewalt, politischem Mord und der Militarisierung der Zivilgesellschaft zum Opfer fielen.

Originale Wochenschauen

Bis März kommenden Jahres beleuchten die beteiligten Partner mittels Ausstellungen und Veranstaltungen die prägenden Ereignisse und ihre Ausstrahlung bis ins Heute. Unter den Partnern sind unter anderem Museen, Geschichtsvereine, Forschungsinstitutionen, Gedenk- und Bildungsstätten, Künstler, Galerien und Theater. Die Ausstellung „Freiheit. Die Kunst der Novembergruppe“ in der Berlinischen Galerie beschäftigt sich zum Beispiel mit den avantgardistischen Strömungen der Kunst, die vor 100 Jahren machtvoll in die Öffentlichkeit drängten.

Vorbeimarsch der Garde-Jäger vor General Arnold Lequis

Besetzung des Zeitungsviertels im Januar 1919

Demonstrant im Januar 1919

Soldaten mit Waffen Unter den Linden, Ecke Charlottenstraße

Im Museum für Fotografie ist eine fotografische Bildergeschichte der Revolution zu sehen, das Bröhan-Museum zeigt Bilder von George Grosz, dessen Werke ohne die Revolution und die Weimarer Republik nicht denkbar wären. Originale Wochenschauen sind im Zeughaus-Kino zu sehen, im Kulturzentrum Wabe in Prenzlauer Berg erinnern junge Europäerinnen mit einer Ausstellungsperformance an das Ende des Ersten Weltkrieges.

Authentische Orte

Die „Stadtmarkierungen 100 Orte – 100 Geschichten“ beleuchten in allen Berliner Bezirken die lokalen Ereignisse und machen auf diese Weise Weltgeschichte an authentischen Orten erfahrbar. Vom 7. bis 9. November eröffnen allein acht Ausstellungen, am Auftaktwochenende (10./ 11. November) wird das Podewil, Klosterstraße 68, zum Revolutionszentrum. Mehr Informationen gibt es online.

Datum: 31.10.2018 Text: Manfred Wolf Bilder: Willy Römer (5)