Grüne wollen Eltern-Taxis ausbremsen

Bezirksfraktion fordert Konzept für sicherere Schulwege.

Jeder kennt die Bilder: Morgens, kurz vor acht Uhr, herrschen vor vielen Schuleingängen chaotische Zustände. Autos kommen angerast und parken kreuz und quer. Eltern hasten mit ihren Sprösslingen Richtung Schulhof. Was viele dieser allzu fürsorglichen Mütter und Väter nicht ahnen: Dieses Chaos ist gefährlich. Wer auf den letzten Drücker angebraust kommt und Gehwege blockiert, gefährdet nicht nur andere Kinder, sondern auch den eigenen Nachwuchs. „Das morgendliche Verkehrschaos vor den Schulen in Charlottenburg-Wilmersdorf wird immer extremer. Das Bringen der Schulkinder mit dem Auto stellt inzwischen ein erhebliches Sicherheitsproblem dar. Eltern fahren ihre Kinder jetzt schon mit dem Auto zur Schule, weil sie nicht wollen, dass andere Eltern, die ihre Kinder ebenfalls mit dem Auto bringen, die eigenen Kinder umfahren“, erläutert die schulpolitische Sprecherin der Grünen-Bezirksfraktion, Petra Vandrey, die alltägliche Situation vor den Schulen.

Gefahrenquelle Eltern

Ihre Partei fordert deshalb nun ein einheitliches bezirkliches Gesamtkonzept zur Schulwegsicherheit und „konkrete Maßnahmen, um dem morgendlichen Wahnsinn vor unseren Schulen endlich Herr zu werden“. Ein entsprechender Antrag für die Schule und Kita in der Waldschulallee wurde bereits in die zuständigen Fachausschüsse überwiesen. Von den sogenannten „Eltern-Taxis“ und rücksichtslosen Parkern sind vor allem die Kinder betroffen, die die Heinz-Galinski-Schule besuchen. Kinder müssen um die falsch auf dem Gehweg parkenden Autos herumgehen und sich zwischen ihnen hindurchschlängeln, um zur Schule zu gelangen. „Ein weiteres Problem in unserem Bezirk ist die Schulwegsicherheit an der Ceciliengrundschule, speziell die Kreuzung Bundesallee/Trautenaustraße“, erklärt Vandrey, und weiter: „Dort stauen die Autos sich bis auf die Kreuzung zurück, sodass Kinder, die an der Ampel über die Straße wollen, sich durch Autos schlängeln müssen, selbst wenn die Fußgängerampel grün ist.“

Mehr Rücksicht gefordert

Zwar gibt es berlinweit und in Charlottenburg-Wilmersdorf bereits einige Aktionen, die auf die Gefahr für Kinder hinweisen, die wirken sich aber noch kaum auf das morgendliche Verkehrsgeschehen aus. Das BUND-Projekt beispielsweise berät Lehrer, Eltern und Schüler zum Thema „Zu Fuß zur Schule“ und schickt Material zur Aufklärung. Auch dabei wird an die Vernunft der Eltern appelliert, Sicherheit vor Bequemlichkeit zu stellen. Im Rahmen der Aktion „walking bus“ wiederum treffen sich Kinder im Einzugsbereich ihrer Grundschule zu Fuß an „Haltestellen“, um gemeinsam zur Schule zu gehen.

Viele Vorteile

Für die Grünen aber greifen diese Maßnahmen nicht weit genug. Denkbar wären laut Vandrey auch Sperrungen der zu den Schulen führenden Straßen, verstärkte Kontrollen des Ordnungsamts oder das Abschleppen von Falschparkern vor den Schulen. „Ohne ein Gesamtkonzept und vor allem ohne eine langfristig andere Einstellung der Eltern wird es nicht gehen.“ Die Schüler würden mehrfach davon profitieren, den Schulweg alleine zu meistern. „Ein Kind, das morgens selbstständig zur Schule kommt – sei es mit der BVG, dem Rad oder zu Fuß – hilft nicht nur, das Verkehrschaos vor den Schulen zu vermindern. Es tankt jeden Morgen Sauerstoff, Bewegung und außerdem eine große Portion Selbstbewusstsein“, so Vandrey.

Datum: 3. November 2018, Text: Katja Reichgardt, Bild: Thinkstock/iStock/VYCHEGZHANINA: