Die Birkenstube ist ein sicherer Ort für Abhängige

Der Bezirk will mehr Druckräume einrichten.

Die Birkenstube, einer der wenigen Drogenkonsumräume Berlins, feiert in diesem Jahr bereits ihr 14-jähriges Bestehen. Bis zu 300 Drogenkonsumenten nutzen das Angebot jeden Monat. Alleine im September habe es laut Einrichtungsleitung mehr als 2.300 Konsumvorgänge gegeben. Aber nicht nur die Möglichkeit, abseits der Straße Drogen zu konsumieren, zieht die Abhängigen in die Räume nahe des U-Bahnhofs Birkenstraße. Je vier Sozialpädagogen und Krankenpflegekräfte beraten die „Klienten“ zwischen Montag und Freitag, helfen ihnen, wenn sie Fragen oder Probleme haben.

Sicherer Ort

In weiteren Räumen stehen Duschen, Waschmaschinen und Kleiderkammern bereit, täglich um 13 Uhr gibt es eine warme Mahlzeit und Getränke. Die Arbeit, die Einrichtungsleiter Christian Hennis und sein Team leisten, ist aktuell wichtiger denn je. Immerhin verstärkt sich das Drogen-Problem auch im Bezirk immer mehr. Trotzdem sind die Forderungen der Birkenstube noch die gleichen wie vor vier Jahren. Schon 2014 wünschte sich der damalige Geschäftsführer der zuständigen Vista GmbH, Rolf Bergmann, eine bessere finanzielle Ausstattung und eine Ausweitung der Öffnungszeiten. Damals konnten Drogenkonsumenten an 24 Stunden in der Woche die Räume in der Birkenstraße aufsuchen. Heute sind es gerade einmal 30 Stunden. Für die Mitarbeiter und Nutzer des Druckraums nach wie vor zu wenig.

Verlängerte Öffnungszeiten

Der FDP-Bezirksverordnete Felix Hemmer macht in einer aktuellen Anfrage an das Bezirksamt auf die verschärfte Situation rund um den U-Bahnhof Birkenstraße aufmerksam. Die Polizei sei laut Bezirksamt über den zunehmenden Verkauf harter Drogen informiert und habe ihre Präsenz verstärkt. „Auch das Landeskriminalamt ist schwerpunktmäßig an den U-Bahnhöfen Birkenstraße und Westhafen aktiv“, erklärt das Bezirksamt. In Anbetracht der verstärkten Problematik habe es sich bereits Ende August in einem Schreiben an die Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) gewandt, um auf die Situation aufmerksam zu machen. Demnach könnten erweiterte Öffnungszeiten des Drogenkonsumraums die Probleme am U-Bahnhof entschärfen: „In dem Schreiben wurde deutlich formuliert, dass eine zeitnahe Ausweitung der Öffnungszeiten dringend erforderlich sei.“ Eine Antwort auf die Forderung habe der Bezirk aber bislang nicht erhalten. Dabei sei auch die Einrichtung eines weiteren Druckraums in Mitte denkbar. Eine Idee, die das Team der Birkenstube unterstützt. Es fordern mehr Drogenkonsumräume für gesamt Berlin.

Bis es soweit ist, dürfte es aber noch dauern. So bleibt die Birkenstube der einzige Ort, an dem Abhängige in Mitte in einem geschützten Raum konsumieren können. Bislang gibt es in ganz Berlin nur zwei weitere Druckräume: einen in Kreuzberg und einen in Neukölln. Seit Jahren wird im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf über die Einrichtung eines weiteren Drogenkonsumraums am Stuttgarter Platz diskutiert. Noch ist hier ein mobiler Konsumraum im Einsatz.

Datum: 8. November 2018, Text: Katja Reichgardt, Bild: imago/Steinach