Gerhard Delling will eine Fußball-App entwickeln

Was für die ARD und die Fußballfans zum Abschied von einem Star wird, soll für Sportmoderator Gerhard Delling zum Neuanfang werden.

Nach mehr als drei Jahrzehnten bei der Sportschau hat der gelernte Journalist genug von den Fernsehkameras. Der für seine Moderation im Duo mit Fußballlegende Günter Netzer im Jahr 2000 mit dem Adolf-Grimme Preis ausgezeichnete Rendsburger will deshalb aber noch lange nicht Abschied vom Fußball nehmen. Stattdessen spielt er mit dem Gedanken, Altvertrautes mit etwas Neuem zu verbinden und eine Fußball-App zu entwickeln.

Das Sachwissen dazu hat er allemal. Seit 1987 war Delling fester Bestandteil des Sportschau-Moderatorenteams. Als echter Allrounder berichtete er über die Bundesliga genauso wie von den Olympischen Spielen in Barcelona, Sydney sowie Salt Lake City und von Grand-Slam-Turnieren im Tennis.

Zum endgültigen Star unter den Kommentatoren wurde Delling dank der Zusammenarbeit mit Ex-Nationalspieler Günter Netzer. Von 1998 bis 2010 berichteten sie gemeinsam von Länderspielen und Weltmeisterschaften. Doch während die fachlich stimmigen Kommentare das Rückgrat ihrer Sendungen bildeten, waren es vor allem die launigen Sprüche und gelegentlichen Breitseiten gegeneinander, die die Übertragungen auch bei weniger sportbegeisterten Zuschauern und Zuhörern populär machten. Allerdings trafen sie außer dem Zuschauergeschmack auch gelegentlich einen Nerv. Die Kritik von Delling und Netzer, die sich bei allem Gekabbel vor dem Mikrofon privat glänzend verstehen, galten als Ursache für einen Wutausbruch des damaligen DFB-Chefs Rudi Völler vor laufender Kamera. Die beiden Moderatoren hatten das Spiel der deutschen Elf beim 0:0 in Island im Jahr 2003 unter Beschuss genommen. Den letzten gemeinsamen Auftritt hatten die zwei sieben Jahre später, bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Deutschland wurde dabei zum zweiten Mal in Folge WM-Dritter.

Wie eine mögliche von Delling entwickelte App zum schönen Spiel aussehen könnte, wird sich noch herausstellen. Aber bei Einschaltquoten von fast einer Million allein bei Übertragungen von Bayern-München-Spielen und 0,88 Millionen bei Begegnungen von Borussia Dortmund ist das Potenzial fraglos gegeben.

Die Fußball-WM 2018, bei der sich die deutsche Nationalmannschaft nach einer Vorrundenblamage sang- und klanglos verabschieden musste, kam in der Bundesrepublik immerhin noch auf 27,48 Millionen Zuschauer im Vorrundenspiel Deutschland gegen Schweden und auf 21,32 Millionen Fernsehzuschauer beim Endspiel Frankreich gegen Kroatien. Unnachahmlich bleiben jedoch die Dialoge zwischen Dellert und Netzer, vom Geplänkel vor dem Mikrofon über Vereine, Torlosigkeit, Horoskope und mehr.

Bis zum Ende der Bundesliga-Saison im Mai 2019 können sich die Fans noch auf die Berichterstattung der Sportschau mit Gerhard Delling freuen. Aber auch sein Neuanfang verspricht spannend zu werden.

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