Grüner Lernort an der Seestraße in Gefahr

Unterstützer fordern Doppelnutzung des Grundstücks an der Seestraße.

Dass das marode und seit Mai leer stehende Haus der Gesundheit durch einen Schulneubau ersetzt werden soll, ist schon länger bekannt. Nun aber kam heraus, dass die vom Bezirk geplante vierzügige Grundschule, die an der Reinickendorfer Straße 60b entstehen soll, auch die Schülerbeete der angrenzenden Gartenarbeitsschule an der Seestraße bedroht. Weichen müssten dann auch die Obstwiese und die Imkerei. Neben der Schule soll eine Turnhalle sowie auf dem Parkplatz an der Seestraße ein Bürohochhaus entstehen. Dabei leistet das Gartenprojekt des Schulumweltzentrums (SUZ) wichtige Arbeit im Kiez; informiert Kita- und Schulkinder über gesunde Ernährung und Natur – und das seit 1957. Mehr als 10.000 Kinder kommen jährlich auf das knapp ein Hektar große Areal, pflegen die Beete oder lernen das Zubereiten gesunder Gerichte. Aktuell nutzen rund 15 Kitas und 20 Schulen das Angebot im Kiez an der Seestraße.

Petition gestartet

Stephan Knorre vom Kinderschutzbund Berlin kritisiert die Pläne des Bezirksamts. Er spricht von einem „folgenschweren Fehler“, der auf dem Rücken der Kita- und Schulkinder im Bezirk ausgetragen wird. Gleichzeitig hofft er auf eine gemeinsame Lösung für Schule und Umweltbildung. „Bildung darf nicht gegen Bildung ausgespielt werden. Die Gartenarbeitsschulen sind im Berliner Schulgesetz fest verankert. Jeder Bezirk soll Kindern Umweltbildung an einem solchen Ort ermöglichen. Für die Kitas und Schulen in Berlin-Mitte, die regelmäßig vorbei kommen, sind grüne Lernorte an der frischen Luft wichtig“, heißt es deshalb in einer Online-Petition, die er gestartet hat und die bereits mehr als 1.700 Unterschriften sammeln konnte. Seiner Meinung nach ist es möglich, einen nachhaltigen Bildungscampus auf dem Areal zu schaffen, auf dem sowohl für eine neue Schule als auch die Gartenarbeitsschule Platz ist. Dazu sei es aber notwendig, die „Standortbetroffenen einzubeziehen“. Bis zu 10.000 Unterstützer will er mit seiner Petition noch erreichen.

Weitere Konfliktherde

Der geplante Schulneubau ist nicht der erste im Bezirk, der für Ärger sorgt. Auch am Standort des ehemaligen Diesterweg-Gymnasiums will der Bezirk eine neue Schule bauen. Eigentlich sollte unter Anleitung des Kiezprojekts „PS Wedding“ ein soziokulturelles Zentrum entstehen. Auch hier ist laut „PS Wedding“ eine Doppelnutzung von Schule und sozialem Projekt möglich. Aber auch hier gibt es bislang keine Einigung mit dem Bezirksamt. Wer die Gartenarbeitsschule kennenlernen und für ihren Erhalt stimmen möchte, findet die Petition sowie einen dreiminütigen Film zur Arbeit des Projekts im Netz.

Datum: 18. Dezember 2018, Text: Katja Reichgardt, Bild: Thinkstock/iStock/Gajus