Was wird aus den Schulen in Steglitz-Zehlendorf?

Lösungen für Berg von Problemen gefordert / Stadtrat kündigt neuen Schulentwicklungsplan an.

Wer verstehen will, warum das Thema Schulen für so viel Aufregung im Bezirk sorgt, sollte sich in der Friedrich-Drake-Grundschule in Lichterfelde umschauen.

Weil die Schule noch im Aufbau ist, sind es Kinder und Lehrer gewohnt, auf einer Baustelle zu leben. Doch seit dem Frühjahr gibt es eine ungeplante und gravierende Einschränkung. Bei Sanierungsarbeiten in der Mensa hat sich an einigen Stellen der Fußboden abgesenkt. Seitdem sind zwei darunterliegende, ebenfalls kürzlich sanierte Horträume gesperrt. „Wir wollen endlich wissen, wann die Kinder die Räume wieder nutzen können“, sagt Elternvertreterin Barbara Neubert. Im November habe das Bezirksamt lediglich mitgeteilt, dass sich der Hochbauservice der Sache angenommen habe. Ähnliche Geschichten gibt es an etlichen anderen Schulen.

Lange Mängelliste

Ob langes Warten auf Informationen, umstrittene Raumkonzepte oder verzögerte Bauprojekte: Die Liste von Kritikpunkten, denen sich Schulstadtrat Frank Mückisch (CDU) und Baustadträtin Maren Schellenberg (Grüne) immer wieder ausgesetzt sehen, ist schier endlos. Braucht es neue Methoden, Denkweisen oder gar Strukturen, um den Berg von Problemen abzutragen? „Viele Vorhaben werden wegen Personalmangels nicht pünktlich abgearbeitet, obwohl vom Land Mittel für zusätzliche Mitarbeiter geflossen sind“, so die Abgeordnete Ina Czyborra (SPD).

Auf einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung der SPD im Rathaus Steglitz haben die Teilnehmer nach Lösungen gesucht. Neben Czyborra diskutierten Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) sowie Jan Kellermann, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Bezirksfraktion, mit Schulleitern und Elternvertretern. Neben der Drake-Grundschule waren unter anderem das Schadow-Gymnasium, die Gail. S. Halvorsen-Schule und die Grundschule am Buschgraben vertreten. Es ging um die Frage, welche Strategie der Bezirk verfolgt oder verfolgen sollte, um die Schullandschaft fit für die Zukunft zu machen. Nicht nur, was Sanierungsvorhaben, sondern auch künftige Bedarfe an Grundschulplätzen (vor allem in Lichterfelde-Süd und Lankwitz) und Gemeinschaftsschulen sowie den gebundenen Ganztag betrifft.

Ungerechtigkeit beenden

„Der Bezirk ist bei diesem Thema irre langsam, es braucht dringend ein übergeordnetes Konzept, anstatt einige Standorte zu fördern“, forderte Rackles. „Künftig müssen alle Akteure zusammenkommen. Um Klarheit für die nächsten fünf Jahre zu schaffen, sollte der Bezirk eine Arbeitsgruppe bilden.“ Die Bezirks-SPD fordert „eine ordentliche Schulentwicklung“, der Bezirk habe sich noch nicht entschieden, ob und wo welche Schulen neu entstehen sollen. Die Ungerechtigkeit bei den Grundschulplätzen müsse beendet werden. „Kurze Beine brauchen kurze Wege. Deshalb ist es fatal, wenn in Lankwitz Plätze fehlen.“ Außerdem solle eine zusätzliche Gemeinschaftsschule geschaffen werden.

Laut Mückisch erstellt der Bezirk derzeit einen neuen, auf mehrere Jahre angelegten Schulentwicklungsplan. Demnächst soll er im Schulausschuss vorgestellt werden. „Um flexibler auf Prognoseveränderungen reagieren zu können, führen Senat und Bezirke jährlich ein Monitoring durch“, so der Stadtrat. Was die von Rackles geforderte Arbeitsgruppe betrifft, verweist er auf die „regelmäßige Abstimmung“ zwischen den für Sanierungs- und Bauthemen verantwortlichen Verwaltungsstellen und den beauftragten Firmen. Zudem baue das Bezirksamt eine Arbeitsgruppe für entsprechende Planungen und Maßnahmen auf.

Datum: 19. Dezember 2018. Text: Nils Michaelis. Bild: Stefan Bartylla