Mit der U7 bis nach Schönefeld

Bezirksbürgermeister aus der Region kämpfen für die Verlängerung der U-Bahn.

Schon seit einer gefühlten Ewigkeit wird über die Verlängerung der U-Bahn-Linie 7 nach Schönefeld diskutiert. Die Stimmen für diesen Ausbau mehren sich und werden immer lauter, umso näher der neu anberaumte Eröffnungstermin des Hauptstadtflughafens BER im Oktober 2020 (man traut sich kaum noch, darüber zu schreiben) rückt. Treptow-Köpenicks Bürgermeister Oliver Igel verlangt gemeinsam mit Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel (beide SPD) und dem Rathauschef der Gemeinde Schönefeld Udo Haase den Ausbau der Strecke. Senatsverwaltung, Berliner Verkehrsbetriebe und der Berliner Fahrgastverband (IGEB) sind dagegen und setzen auf Busse im Minutentakt oder den Ausbau einer Straßenbahnlinie.

Längste Strecke innerhalb Berlins

Die U-Bahn-Linie 7 ist bereits die längste unterirdische Verbindung der Stadt, führt sie doch vom Rathaus Spandau im Nordwesten bis nach Rudow im Süden der Stadt. Genau dort soll das Netz erweitert werden. Dabei handelt es sich um ein Stück von 3,2 Kilometer bis zum S-Bahnhof Schönefeld. Die Kosten dürften sich auf 300 Millionen Euro belaufen – zu teuer nach Ansicht der U-Bahn-Gegner. Zur Finanzierung sei jedoch wichtig zu wissen, dass sich zum einen das Land Brandenburg an den Kosten beteiligen würde und zum anderen der Bund im Rahmen des Regionalisierungsgesetzes einen großen Teil der Gesamtkosten übernehmen würde.

Oberirdisch ab Brandenburg

Die U7-Verlängerung wurde schon in den 90er-Jahren mitgedacht und mitgeplant. Etwa 400 Meter Tunnel sind bereits vorhanden, die Trassen sowie der Platz für einen U-Bahnhof am Lieselotte-Berber-Platz wurden freigehalten. Hinter der Berliner Grenze könnte die Bahn nach den Vorstellungen von Schönefelds Bürgermeister oberirdisch verlaufen. „Diese Planungen müssen beherzt angegangen werden und es ist technisch auch möglich“, sagt Oliver Igel. Das Bezirksamt Treptow-Köpenick unterstütze auch ein gemeinsames Strukturkonzept für die Flughafenregion.

„Wir dürfen nicht nur bis zur Landesgrenze denken“, sagt Martin Hikel, und weiter: „Die Stadt wächst auch in die Breite. Und für ein gutes Leben in Berlin müssen wir auch das Drumherum einbeziehen.“ Wer eine autofreie Stadt will, müsse den Menschen den Personennahverkehr attraktiver machen. „Mein wichtigstes Argument ist deshalb der gesunde Menschenverstand“, sagt Hikel. Angesichts der wachsenden Stadt und der Vorplanungen gebe es keinen Grund, die U7 nicht zu verlängern. Mit Treptow-Köpenicks und Schönefelds Bürgermeistern teile er die Vision, über Landesgrenzen hinauszudenken. „Wir alle wollen unseren Einwohnern eine gute Infrastruktur bieten.”

Zukunft mitdenken

Bei wachsendem Fahrgastaufkommen, weiteren entstehenden Arbeitsplätzen am BER, dem unaufhaltsamen Wachstum der Gemeinde Schönefeld sowie dem steigenden Fluggastaufkommen sei ein Ausbau des ÖPNV nicht zu umgehen, so Igel. „Wir fürchten nicht nur mehr Fluglärm, sondern auch die damit einhergehende Verkehrsentwicklung auf der Straße“, sagt der Bürgermeister. Es sei „hochnotpeinlich“, dass trotz mehrjähriger Verzögerung der Anschluss des Flughafens an den öffentlichen Nahverkehr nicht auf dem erforderlichen Niveau läge. „Ich will nicht, dass sich zum Fluglärm auch noch ein Endlos- Stau gesellt, weil die Menschen nicht auf S-Bahn, Bus oder Regionalbahn, sondern auf Taxi oder Mietwagen umsteigen – unzumutbar!“, so Igel. Deshalb sei er schon lange mit den Kollegen dabei, bessere Verkehrslösungen zu fordern. „Obwohl das dauern wird gehört eine Verlängerung der U-Bahn-Linie 7 von Neukölln nach Schönefeld dazu“, lautet Igels eindeutig formulierte Forderung.

Die Route läge zwar nicht auf Treptow-Köpenicker Bezirksgebiet, würde aber große Teile der Hauptstadt auch für die gesamte Region erschließen. Es seien sogar Gespräche mit Investoren geführt worden, die tatsächlich Möglichkeiten gefunden hatten, die Technik der Magnetschwebebahn vom Flughafen in die Hauptstadt einsetzen zu wollen. „Das sind die richtigen Wege, von denen wir mehr hören wollen“, so Igel. Ziel sei ein nachhaltiges Mobilitätskonzept für die Region, das in Berlin und Brandenburg in der Bevölkerung auf Akzeptanz stößt. Der Verkehrszuwachs dürfe nicht zum Dauer-Fluch für Berliner und Brandenburger werden.

Zur U7-Verlängerung gebe es zwei Alternativen, sagt Hikel: „Busse im Minutentakt, die den Rudower Süden und die A113 verstopfen. Oder eine Straßenbahn, die zum Umsteigen zwingen und die durch permanente Vibrationen und Lärm mehr Belastungen für die Anwohner führen. Teile des Senats halten beides für sinnvolle Alternativen. Ich ehrlich gesagt nicht.“

Datum:27. Dezember 2018, Text: Sara Klinke/ Stefan Bartylla, Bild: imago/STPP