Morgensterns Appell an den Senat

Sondermittel aus dem Bezirk für das Theater, aber das reicht nicht aus.

Ein lauter Hilferuf drang Anfang November aus dem Rathaus Friedenau durch den Bezirk – und auch durch Berlin. Dem beliebten Theater Morgenstern, das seit vielen Jahren seine Spielstätte im Friedenauer Rathaus gefunden hat und auch darum in den vergangenen Jahren lange kämpfen musste, droht das Aus. „Ohne finanzielle Unterstützung müssen wir im Jahr 2019 schließen“, gaben die Theaterleiter Daniel Koch und Pascale Senn Koch Anfang November bekannt. Die kritische Lage hat sich durch die finanzielle Unterstützung aus dem Bezirksamt nur minimal entspannt.

Notwendige Investitionen

33 Inszenierungen, 3.256 Vorstellungen, 419.844 Besucher – trotz erfolgreicher Theaterarbeit muss das privat geführte Theater ein Jahr vor dem 25-jährigen Jubiläum möglicherweise schließen. Zwar hat der Bezirk mit der Bewilligung von knapp 30.000 Euro aus einem Sondertopf das drohende Aus für das renommierte Kinder- und Jugendtheater vorerst abgewendet. Für die dauerhafte Sicherung des Spielbetriebes im Rathaus Friedenau sei jetzt aber der Senat am Zug. Deshalb fordert die Bezirksverordnetenversammlung entsprechend einem von Grünen und SPD eingebrachten Dringlichkeitsantrag: Die Senatsverwaltung muss dem Theater Morgenstern endlich die dauerhafte institutionelle Förderung gewähren, wie sie auch andere privat betriebene Bühnen erhalten.

Denn die einmalig vom Bezirk bewilligten Sondermittel sind ausschließlich für eine neue Bestuhlung und die Einrichtung einer neuen Zuschauertribüne gedacht. Ohne diese Maßnahme hätte es schon aus Sicherheitsgründen demnächst keine Aufführungen mehr geben können, wird in einer Mitteilung der Grünen-Fraktion erklärt. Von der Theaterleitung selbst wurde klargestellt, dass mit diesen knapp 30.000 Euro noch keine Fortführung des Theaters gesichert sei. Der letzte Vorhang fällt hoffentlich nicht am 25. Dezember für „Ein Weihnachtslied“, um 16 Uhr. „480 Vorstellungen von ’Ein Weihnachtslied’ haben wir bisher gespielt. Dies könnte die letzte sein“, heißt es im Spielplan.

Senat ist gefragt

Das Theater steht für seine Arbeit für und mit Kindern und Jugendlichen. Es sei eine der größten und wichtigsten Kulturinitiativen dieser Art im Bezirk. Kulturstadträtin Jutta Kaddatz erwartet nun, dass Kultursenator Klaus Lederer (Die Linken) jetzt seinerseits einen Beitrag zur Förderung des Morgenstern leistet, um einen weiteren Spielbetrieb zu sichern. Der grüne Fraktionsvorsitzende Rainer Penk ergänzt: „Seit über 20 Jahren ist das Morgenstern mehr als nur ein fester Bestandteil der Tempelhof-Schöneberger Kulturszene. Seine Aufführungen ziehen Schulklassen aus ganz Berlin nach Friedenau, das Theater genießt einen herausragenden Ruf weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus. Da ist es nicht nachvollziehbar, warum ihm eine existenzsichernde Förderung bis heute vorenthalten bleibt.“ Einen „Antrag auf Produktionsorteförderung“ habe die Theaterleitung bereits bei der Senatsverwaltung eingereicht. Dieser sei zwar als förderwürdig eingestuft, jedoch mangels zur Verfügung stehender Mittel abgelehnt worden“, sagt Senn Koch. Ein über die Sondermittel für Kinder- und Jugendtheater eingereichter Antrag für die Übernahme neuer, sehr kostenintensiver Brandschutzauflagen sei noch in Bearbeitung. Wer möchte, kann eine Art Wunschzettel an Senator Lederer schicken. Der Wunsch an sich ist klar: die finanzielle Unterstützung des Theaters. Vorgedruckte und adressierte Postkarten liegen im Rathaus Friedenau aus (Breslauer Platz, Rheinstraße 1).

Datum: 22. Dezember 2018, Autor: red/sara, Bild: imago/JOKO