Wer braucht die Brücke am Breitenbachplatz?

CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus fordert den Abriss des ungeliebten Bauwerks.

Einst war er ein elegantes Tor zu Dahlem, doch seit dem Bau einer Autobahnbrücke quer über den Breitenbachplatz ist dieser für viele Anwohner nur noch eine öde Betonwüste.

Die örtliche Bürgerinitiative und Lokalpolitiker sind sich einig: Die in den 1970er-Jahren errichtete Brücke soll weg, Entsprechende Beschlüsse haben die Bezirksverordnetenversammlungen von Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf bereits gefasst.

Nun macht die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus ebenfalls Druck. In einem Antrag wird gefordert, das Brückenbauwerk in naher Zukunft nicht zu sanieren, sondern abzureißen. Hierfür soll der Senat eine Machbarkeitsuntersuchung vorlegen, die städtebauliche Gesichtspunkte sowie eine Prognose zu den verkehrlichen Auswirkungen des Rückbaus beinhaltet.

Überflüssige Brücke

„Der Senat soll ermitteln, ob die Brücke verkehrstechnisch überhaupt nötig ist“, sagt der Zehlendorfer Abgeordnete Adrian Grasse (CDU). Eine direkte Verbindung zwischen der Schlangenbader Straße in Richtung Charlottenburg und dem Zubringer zur A 103 in Steglitz wäre auch ohne die Querung auf mittlerweile maroden Pfeilern gegeben. Grasse ist sich sicher: „Die ,Breitenbachplatzbrücke’ braucht kein Mensch.“ Bei der vergangenen Plenarsitzung wurde der Antrag auf den nächsten Sitzungstermin Ende Januar vertagt.

Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz hatte zuvor deutlich gemacht, dass ein kurzfristiger Rückbau der Brücke nicht vorgesehen sei. Staatssekretär Stefan Tidow gab allerdings ein Hoffnungszeichen: Wegen Sanierungsarbeiten muss der Tunnel Schlangenbader Straße, also die Verlängerung der über den Breitenbachplatz führenden Schildhornstraße, demnächst gesperrt werden. Derzeit wird an einem Verkehrskonzept für diese Zeit gearbeitet. Dieses könnte ein Fingerzeig für einen Breitenbachplatz ohne Brücke sein.

Kollaps verhindern

Auch der Steglitzer Abgeordnete Andreas Kugler wünscht sich weniger Beton und mehr Aufenthaltsqualität am Breitenbachplatz. Gleichwohl dämpfte er zuletzt Erwartungen, dass sich innerhalb der nächsten fünf Jahre irgendetwas an der Brücke tut, vor allem wegen der vielen anderen, weitaus wichtigeren Brückenbauprojekte in der Stadt. Zudem müssten erst die Arbeiten am Steglitzer Kreisel und an der Westtangente beendet werden. „Ansonsten droht ein Verkehrskollaps“, warnt der SPD-Politiker.

Ebenso wie Grasse stört sich die Bürgerinitiative daran, dass manche Bereiche rund um den Platz zunehmend verwahrlosen und Gebäude leerstehen. Doch in letzter Zeit habe es auch positive Entwicklungen gegeben. So hat sich für die ehemalige Gaststätte „Breitenbach“ nach zwei Jahren Leerstand ein neuer Pächter gefunden. In die linke Seite der ehemaligen Commerzbank wird eine Praxis für Physiotherapie einziehen. „Kleinere Läden zwischen Santa Café und Zwilling-Apotheke stehen allerdings immer noch leer“, berichtet Ulrich Rosenbaum, der Sprecher der Bürgerinitiative. In die ehemalige Sparkassenfiliale auf der Wilmersdorfer Seite ist demnach ein Kampfsport- und Selbstverteidigungsstudio eingezogen.

Datum: 23. Dezember 2018. Text: Nils Michaelis. Bild: Muns/WikimediaCommons