Ungeliebtes MyFest

Sauberer, politischer – das Straßenfest soll einen anderen Charakter bekommen.

Jüngst hat das Bezirksamt eine Anwohnerbefragung in Kreuzberg durchgeführt. 5.000 Haushalte in der nördlichen und südlichen Luisenstadt wurden Anfang November zum einen zur Ehrung von Rio Reiser befragt (über die Ergebnisse berichtete das Berliner Abendblatt in der vergangenen Ausgabe), zum anderen war das jährlich stattfindende „MyFest“ Thema der Umfrage. Die Ergebnisse liegen der Verwaltung nun vor. Ein Viertel der angeschriebenen Haushalte haben sich beteiligt.

Kleiner, leiser, sauberer

Die Kreuzberger, die im unmittelbaren Umfeld wohnen, möchten, dass das Straßenfest künftig einen anderen Charakter bekommt als in den letzten Jahren. Das teilt die Verwaltung mit. Zwar sprechen sich in der Bürgerbefragung rund 60 Prozent der Befragten für eine Fortführung des MyFestes aus, jedoch nicht in seiner aktuellen Form. Vor allem die Anwohner rund um den Heinrichplatz und das Kottbusser Tor stehen den Feierlichkeiten kritisch gegenüber, da sie seit Jahren unter den Auswirkungen leiden. Sie bemängeln Müll und Lärm sowie die zunehmende Kommerzialisierung des Festes. Der Wunsch ist ein kleineres Fest mit stärkerem Kiezbezug und mehr Angeboten für Kinder. Auch der politische Charakter des Festes soll wieder eine stärkere Rolle spielen.

Keine Kontrollen

Die Befragten positionierten sich auch zum MaiGörli-Fest, das in diesem Jahr erstmals im Görlitzer Park stattfand. „Mit dem MaiGörli ist es in diesem Jahr gelungen, einen geregelten Rahmen der Parknutzung am 1. Mai, für die Sicherheit der Besucher und Anwohner zu gewährleisten. Auch die Grünfläche mit der dortigen Flora und Fauna konnte so gut geschützt werden“, heißt es aus dem Bezirksamt. Ein Großteil der Befragten lehnt jedoch eine Einzäunung des Parks und die Eingangskontrolle ab. Auch die Musikrichtung wurde kritisiert.

Hohe Beteiligung

„Ich danke allen Anwohnern, die sich an unserer Befragung beteiligt haben, ganz herzlich für die Teilnahme und ihre offenen Worte“, sagt Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann. Es sei für Politik und Verwaltung wichtig zu wissen, wie die Bürger die Feierlichkeiten sehen und was sie sich in Zukunft wünschen. Besonders freue sich Herrmann über die extrem hohe Beteiligung bei der Befragung, die deutlich mache, wie wichtig die Gestaltung der Mai-Feierlichkeiten für die Kreuzberger sei. Die Ergebnisse zeigen, dass das MyFest für die Anwohner in den letzten Jahren nicht nur Grund zum Feiern war. Nun müssen wir gemeinsam schauen, wie wir das MyFest künftig gestalten können, damit es wirklich ein Fest für die Kieze und ihre Einwohner ist“, erklärt Herrmann.

Die Adressaten der Befragung wurden zufällig gewählt. Das Bezirksamt hatte „ASUM/TOPOS Stadtforschung“ mit der Durchführung beauftragt.

Datum: 27. Dezember 2018, Autor: red, Bild: imago/Tom Maelsa