Schwere Zeiten für Fahrgäste

Zugausfälle und Sperrungen sorgen auf vielen U-Bahn-Strecken für Behinderungen.

Wer dieser Tage mit der U-Bahn unterwegs ist, braucht viel Geduld. Zu wenig verfügbare und häufig technisch veraltete Wagen sowie ein überdurchschnittlich hoher Krankenstand beim Fahr- und Wartungspersonal sorgen auf vielen Strecken für Zugausfälle und längere Wartezeiten. Obendrein legen Bauarbeiten weite Teile der U-Bahnlinien 2 und 3 lahm. Bis zum 24. Februar ist die U2 zwischen Zoologischer Garten und Gleisdreieck gesperrt. Die U3 ist von Spichernstraße bis Warschauer Straße unterbrochen. Grund sind Weichen-Arbeiten am Wittenbergplatz. Die Berliner warten auf ein Konzept von Senat und BVG, wie sie die U-Bahn vor dem Kollaps bewahren wollen.

Längere Züge

Gegründet wurde die BVG vor 90 Jahren. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr sieht sich das landeseigene Unternehmen massiver Kritik ausgesetzt. „Jetzt holen uns die Versäumnisse der letzten Jahre ein“, sagt Harald Moritz, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Der Fahrgastverband Igeb fordert die Aufstellung eines Notfahrplans. „Wir brauchen endlich einen Fahrplan, auf den sich die Fahrgäste verlassen können“, so Sprecher Jens Wieseke. Sein Vorschlag: Auf weniger stark genutzten Abschnitten könnte der Takt im Berufsverkehr von fünf auf zehn Minuten verlängert werden. Dafür werden dann aber längere Züge eingesetzt.

Wegen der vermehrten Engpässe bei der U-Bahn hat der BVG-Aufsichtsrat beschlossen, die Zahl der neu zu beschaffenden Wagen von 1.050 auf 1.500 aufzustocken. Kosten: rund drei Milliarden Euro. Doch erst im Jahr 2021 werden die ersten neuen Züge die Hauptstadt erreichen. Aufsichtsratschefin und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop setzt große Hoffnungen darin, dass die BVG im Laufe des Frühjahrs einen Vorstandsposten eigens für den Betrieb einrichten wird.

Kurzfristige Lösungen

Auch in den Senatsfraktionen von SPD, Grünen und Linken ist man sich der Schwierigkeiten bei der U-Bahn bewusst. Beim nächsten Koalitionsausschuss Ende Januar soll nach Lösungen gesucht werden, hieß es von SPD und Grünen. „Die BVG muss entscheiden, welche Mängel sich kurzfristig beheben lassen“, sagt Tino Schopf, der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion. „Eine anhaltende Krise wie bei der S-Bahn vor zehn Jahren müssen wir unbedingt verhindern.“ Nicht nur Ausfälle und Verspätungen, sondern auch zahlreiche Langsamfahrstrecken sorgten für Probleme. Die Personalnot führt Schopf auch auf die anhaltende Fluktuation zurück. „Um Mitarbeiter bei der Stange zu halten, muss man sie mitnehmen und begeistern“, sagt er.

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Datum: 10. Januar 2019. Text: Nils Michaelis. Bild: imago/Bernd Friedel