Wirtschaft bringt Schwung nach Lichtenberg

Lichtenbergs Wirtschaft wächst auch mit Hilfe der Politik.

Lichtenbergs aktuellste Wirtschaftszahlen verkünden viele gute Neuigkeiten: Der Bezirk ist nicht nur beim Wohnungsbau, sondern auch als Standort für Geschäfte, Gewerbe und Produktion so gefragt wie nie zuvor. „In den letzten Jahren haben sich in Lichtenberg über 2.000 zusätzliche Unternehmen angesiedelt. Der Großteil davon sind Kleinunternehmer, die angesichts der guten wirtschaftlichen Lage ihr Glück selbst in die Hand nehmen wollen. Wir haben aber auch einige größere Ansiedlungen dabei“, bilanziert Wirtschaftsstadträtin Brigit Monteiro (SPD). Ihr sei dieser Mix besonders wichtig. „Wir sollten nicht immer nur die ’hippen’ Arbeitsplätze für Akademiker im Blick haben, sondern auch versuchen, für alle in Lichtenberg lebenden Menschen wohnortnah Arbeitsplätze und die damit verbundenen Dienstleistungen zu sichern“, so Monteiro. „Als einer der wenigen Bezirke sind wir in alle Richtungen verkehrlich gut angebunden, sowohl an die Autobahn als auch ans Zentrum“, weiß die Stadträtin. Grundsätzlich ließe sich für jede Firma ein passendes Grundstück finden.

Standorte diskutieren

Die Gentrifizierung sei aber auch in Sachen Gewerbe in vollem Gange. Grundstücke seien inzwischen für alle Nutzungsarten so knapp, dass einige Eigentümer meinen, auf höherwertigere und damit auch gewinnträchtigere Nutzungen als planungsrechtlich erlaubt, spekulieren zu können. „Wir brauchen aber auch zukünftig eine vernünftige Mischung aus Wohnen und Arbeiten in Lichtenberg. Also auch Gewerbeflächen. Zur Sicherung des produzierenden Gewerbes dienen ja die bestehenden Bebauungspläne“, so Monteiro mit einem Verweis auf die Gewerbegebiete in der Herzberg- und der Rhinstraße, wo ein Streit zwischen den kooperierenden Fraktionen der Linken und der SPD um die Nutzungsarten Kultur, Gewerbe und Wohnen entbrannt ist. „Für das erste. Quartal 2019 soll ein neuer Stadtentwicklungsplan Wirtschaft durch den Senat beschlossen werden, der auch Wirtschaftsflächensicherungskonzepte in den Bezirken vorsieht“, sieht Monteiro der nächsten Diskussionsetappe in dieser Angelegenheit entgegen.

Andere Problemlage

Sehr viel Platz für neue Möglichkeiten zur Bebauung mit Gewerbe bietet hingegen völlig diskussionsfrei der nördliche Bezirksrand in Hohenschönhausen. „Die Flächen unter anderem an der Pablo-Picasso-Straße sind als solche sehr attraktiv und bestens erschlossen“, erklärt Monteiro. Das Gebiet gehöre jedoch Berlin, das es aus Landesmitteln für Gewerbe erschlossen hat. Die zu den Grundstücken gehörigen Investitionsbilanzen führen nun dazu, dass das Land diese Grundstücke nicht wahllos verschleudern, sondern nach besonders strengen Kriterien – jetzt auch nur noch in Erbaupacht – vergeben möchte. „Und dies nur an Firmen, die etwas produzieren. An Firmen, die Arbeitsplätze schaffen und die einen besonderen Wert für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes Berlin haben“, erklärt die Stadträtin. Die Vergabeverfahren dazu seien relativ zeitaufwändig und bürokratisch, was zu Verdruss und Fragen bei den möglichen Investoren führe. „Ich finde es deshalb auch gut, dass der neue Wirtschaftsplan des Senats wohl auch die Schaffung einer landeseigenen Gewerbeflächenvermarktungs- und Bewirtschaftungsgesellschaft vorsieht. Alles in allem bin ich ohnhin optimistisch, dass der lange Weg besser als ein Strohfeuer ist und zu wertvollen Ansiedlungen führen wird“, wertet sie auch die wirtschaftliche Entwicklungen für Hohenschönhausen durchaus zuversichtlich.

Datum: 10. Januar 2019, Text: Stefan Bartylla, Bild: Bild: Imago / Hohlfeld