Die Enkelin von Haus Nummer 4

Neue Ausstellung in der Villa Oppenheim zeigt Geschichte des jüdischen Mädchens Susi Collm.

Mit elf Stolpersteinen fing alles an. 2012 übernahm die Cecilien-Grundschule die Patenschaft für diese Erinnerungsstücke persönlicher Schicksale zur Zeit des Nationalsozialismus. Gleichzeitig machten Gedenktafeln die Gesichter hinter den Steinen sichtbar. Einige davon gehören der Familie Collm, die bis 1942 im Haus Nummer 4 am Nikolsburger Platz, gegenüber der Grundschule, lebte. „Da tobt jetzt das Kinderlachen“, sagt Birgitta Behr, Lehrerin und Begründerin eines Projektes, das weit mehr ist als Gedenkarbeit.

Kindgerechte Aufarbeitung

Denn als Behr nach kindgerechtem Material über die Zeit des Nationalsozialismus und den Holocaust suchte und nicht fündig wurde, entschied sie, selbst welches zu erschaffen. Nach intensiver Forschungsarbeit mit Hilfe von Eltern und Lehrkräften konnte die Geschichte der im Jahr 1942 sechsjährigen Susi Collm rekonstruiert werden: ein jüdisches Mädchen, das im Schatten des Krieges und der Flucht groß werden musste. Ihre Geschichte verewigte sie in einem Kinderbuch, aus dem später ein Theaterstück und Filmprojekt wurde. Nun folgt eine Ausstellung zum Mädchen Susi Collm im Museum Charlottenburg-Wilmersdorf in der Villa Oppenheim, Schloßstraße 55. Die Schau „Susi. Die Enkelin von Haus Nummer 4. Das Überleben im Nationalsozialismus einer als Juden verfolgten Familie im Untergrund“ ist seit dem 18. Januar geöffnet und richtet sich an alle Interessierten – vor allem an junge Menschen im Alter ab zehn Jahren.

Schon im vergangenen Jahr träumte Behr von einem „begehbaren Buch“, das Kindern die Welt von Susi näherbringen kann. Das Museum erprobt damit nun noch bis zum 16. Juni neue Formen, um diese gerettete Geschichte aus der Zeit nationalsozialistischer Verfolgung zu erzählen – in einer Gegenwart, in der kaum noch jemand aus eigener Erfahrung davon berichten kann. Ein Veranstaltungsprogramm und Vermittlungsangebote für Schulklassen begleiten die Ausstellung in den kommenden Monaten. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 10 bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen, 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt zur Ausstellung ist an allen Tagen frei.

Datum: 16. Januar 2019, Text: Redaktion, Bild: Birgitta Behr/arsEdition, Abbildung vom Nikolsburger Platz, um 1926 © Museum Charlottenburg-Wilmersdorf