Tempo 30 bringt keine wesentliche Verbesserung

Grenzwert an Leipziger Straße trotz Tempolimit überschritten.

Auf rund 80 Prozent aller Straßen in Berlin herrscht bereits jetzt Tempo 30. Seit April 2018 gilt das Tempolimit im Rahmen eines Modellversuchs auch auf der Leipziger Straße. Ziel ist es die Luftqualität auf den Berliner Straßen zu verbessern, den Verkehr sicherer zu machen und Lärm zu reduzieren. Zumindest ersteres lässt sich auf der Leipziger Straße rund neun Monate nach Projektbeginn aber noch nicht feststellen.

Grenzwerte überschritten

Das zeigt eine Antwort der Umweltsenatsverwaltung auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Sven Kohlmeier. Der wollte unter anderem in Erfahrung bringen, wie hoch der Stickstoffdioxid-Durchschnittswert im vergangenen Jahr war. Laut Senat beträgt dieser für den Zeitraum vom 1. Januar bis 30. November 2018 49 Mikrogramm pro Kubikmeter. Der Mittelwert für die Zeit ab April, also seit Einführung des Tempolimits, bis November bei 48 Mikrogramm. Der Grenzwert von 40 Mikrogramm konnte am Messpunkt also trotz Tempo 30 nicht eingehalten werden. Lediglich in den Sommerferien-Monaten Juni und Juli lag der Wert unterhalb der Grenze.

Der Spitzenwert von 55 Mikrogramm wurde im Oktober gemessen. Und auch an den anderen Straßen des Modellprojekts zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. An der benachbarten Potsdamer Straße etwa lag der Mittelwert in 2018 bei 52 Mikrogramm pro Kubikmeter. Hier gilt allerdings erst seit Juni das Tempolimit von maximal 30 Kilometer pro Stunde. Der Senat glaubt dennoch an eine positive Auswirkung auf die Umwelt. „Die populäre Behauptung, Tempo-30-Zonen taugten nicht als Maßnahme zur Luftreinhaltung, ist – pointiert gesagt – falsch“, heißt es in einer Stellungnahme zum Modellprojekt. Und weiter: „Tempo 30 reduziert im Stadtverkehr nachweislich den Stickoxidausstoß, indem die besonders schadstofflastigen Beschleunigungsvorgänge deutlich verringert werden.

Genau das ist mit Verstetigung des Verkehrs gemeint. Die Emissionsminderung von Tempo 30 beruht also auf einem gleichmäßigeren Verkehrsfluss mit einem höheren Anteil konstanter Fahrweise.“ Um aussagekräftige Ergebnisse liefern zu können, dauere es ohnehin noch. Immerhin laufe das Projekt auf der Leipziger Straße noch kein Jahr. Bewähren sich die Tempolimits nicht, sind die ohnehin angekündigten Fahrverbote in der Innenstadt denkbar. Tempo 30 wird zunächst auf fünf viel befahrenen Straßen Berlins getestet, darunter auch die Kantstraße. Alleine in Fahrtrichtung Alexanderplatz sind laut Senat jeden Monat rund 700.000 Kraftfahrzeuge auf der Leipziger Straße unterwegs.

Datum: 21. Januar 2019, Text: Katja Reichgardt, Bild: imago/Klaus Martin Höfer