Pläne für das Haus der Statistik werden konkreter

Bis zu 2.000 Menschen sollen am Haus der Statistik leben und arbeiten.

ie Farbe ist vergilbt und der Putz blättert ab, großflächige Graffitis und kleinere Sprayer-Tags haben ihren Platz an der Fassade des riesigen Bau-Zombies schon vor Jahren gefunden .„Stop Wars“ lautet der riesige, aufgemalte Schriftzug, der vom schräg gegenüberliegenden Alexanderplatz aus gut zu sehen ist. Neben seiner pazifistischen Bedeutung unterstreicht diese Botschaft den baulichen Zustand des ehemaligen Hauses der Statistik noch einmal in voller Epik: Hier herrscht der pure Verfall. Seit rund zehn Jahren streiten sich Nachbarn, Politiker, Stadtentwickler, Künstler, Kulturschaffende und interessierte Investoren um die Weiterentwicklung des Hauses und des Areals.

Neues Quartier

2015 wurden alle Pläne für den Verkauf an private Investoren und der damit geplante Abriss abgewendet. Haus und Gelände wechselten 2017 für einen Preis von 50 Millionen Euro den Besitzer. Fünf Kooperationspartner („Koop5“) hat das neue Eigentümerkonsortium: Seit Januar 2018 arbeiten die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, das Bezirksamt Mitte, die Wohnungsbaugesellschaft WBM, die Berliner Immobilienmanagement sowie die ZUsammenKUNFT Berlin eG, eine Gemeinschaft von Kulturschaffenden vor Ort, kooperativ an der Projektentwicklung zusammen.

Fest steht bereits jetzt, dass das Rathaus Mitte seine bis zum Jahr 2028 teuer gemieteten Räume verlassen möchte und hierher aufs Gelände ziehen will. Auch das bezirkliche Finanzamt und die Büros der landeseigenen Anstalt für Immobilienaufgaben sollen hier Quartier beziehen. Rund 2.000 Menschen werden Ende des kommenden Jahrzehnts auf dem Areal wohnen und arbeiten. Kitas, Einzelhandel, Dienstleister und eine Menge Grünflächen sollen das Gelände zu einem echten neuen Quartier komplettieren. „Hier sollen alle Angebote bei einem maximalen Fußweg von fünf Minuten erreichbar sein“, lautet die Devise, die sich das Planungsbüro COBE Berlin + Studio Sörensen ins Stadtentwicklungskonzept für die „Mitte von Mitte“ geschrieben hat. Teile, die auch das andere, im Januar ausgewählte Projektbüro, Teleinternetcafe + Treibhaus Landschaftsarchitektur, aufgenommen hat. Ein autofreies, grün und ökologisch gestaltetes Quartier mit Kinderspielplatz, Plansche und Gewächshaus könnte auf dem mehr als drei Hektar großen Areal am Alex entstehen.

Riesige Dimensionen

Der bestehende Bau mit rund 46.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche wird gemäß den Plänen beider Büros um weitere rund 70.000 Quadratmeter Neubau ergänzt werden. Die Höhe des Hauses der Statistik beträgt 45 Meter. Trotz dieser Dimensionen soll hier ein Quartier in eher kleinen, menschlichen Maßstäben entstehen. „Schlips trifft Kapuze“, lautet die Vorstellung, die eine Bewohnerin des bestehenden Nachbarkiezes auf der Präsentationsveranstaltung zu den städtebaulichen Konzepten formuliert hat. Bis zum Jahr 2030 soll alles fertig sein, so die grobe Vorstellung, die auch Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) als Vorgabe sieht und zu denen er sich weitere Ausarbeitungen beider Planungsbüros wünscht. „Dann haben wir endlich etwas in der Hand, mit dem wir bei den Gremien im Senat und beim Bund vorstellig werden können“, so Gothe, der weiß, dass die Investitionen für dieses Projekt selbst die Milliardengrenze durchbrechen könnten. Noch bis zum 15. Februar können die aktuellen Pläne im Bezirksamt Mitte, Fachbereich Stadtplanung, Müllerstraße 146, eingesehen werden. Auch in der Werkstatt Haus der Statistik, Karl-Marx-Allee 1, hängen die Ansichten zu den Öffnungszeiten dienstags und freitags, 10 bis 18 Uhr, mittwochs von 13 bis 18 Uhr, aus.

Datum: 30. Januar 2019, Text und Bild: Stefan Bartylla