Am 1. Mai feiert Kreuzberg anders

Neues Konzept für MyFest in Planung – MaiGörli wird nicht stattfinden.

Das MaiGörli, das im vergangenen Jahr zum ersten Mal im Görlitzer Park stattfand, wird es nicht mehr geben. Zu diesem Schluss kam Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Die Grünen) am Dienstag bei einem Projekttreffen mit Vertretern aus der Nachbarschaft im Nachbarschaftstreff Kiezanker an der Cuvrystraße. Ein Sicherheitsdienst sowie die beim Bezirk angestellten Parkläufer werden in diesem Jahr den Zugang auf die große Parkfläche kontrollieren und Partys und Konzerte hier vermeiden.

„Der Innensenator hat uns für diese Maßnahme ein Budget zur Verfügung gestellt, dass wir auch einsetzen werden, damit der Park an diesem Tag vor großen Massenaufläufen geschützt werden kann“, so Herrmann auf der Bürgerveranstaltung.

Chillen im Park

Im Vorfeld des Treffens hatte eine vom Bezirk durchgeführte Haushaltsbefragung diese Maßnahme nahegelegt. 5.000 der 25.000 Haushalte in den Kiezen rund um den Görlitzer Park hatten Post mit einem Fragebogen zur Akzeptanz der Feste rund um den 1. Mai erhalten. Ergebnis: Zwar begrüßen rund 60 Prozent der Nachbarn das MyFest an sich – ein Konzept für eine ausgedehntere Feiermeile im Görlitzer Park hingegen stieß auf Ablehnung. Kein Getränkeverkauf, keine Soundsysteme und kein Glas im Görlitzer Park lauten die Forderungen nun, die am kommenden 1. Mai auch umgesetzt werden sollen.

„Wir werden auch mit dem Ordnungsamt und der Polizei an diesem Tag dafür sorgen, dass der Park als ganz normale geschützte Grünanlage genutzt werden kann“, erläuterte Felix Weisbrich, Leiter des Kreuzberger Grünflächenamtes die Umsetzung der Maßnahmen. Kein Lärm, kein Müll, keine Glasflaschen und kein Getränkeverkauf – so die Vorgabe. Der Park selbst dürfe sehr wohl als Chill-Zone genutzt werden und auch gegen die Installation einer kleinen Speakers’-Corner-Fläche (eine Plattform für freie Rede) auf der Grünfläche spräche nichts – alle weiteren Aktionen, aus denen Massenveranstaltungen entstehen könnten, seien auch an diesem Tag im Park nicht zulässig, so Weisbrich. Ein Konzept, das auch bei den Nachbarn zur Bürgerversammlung im Kiezanker gut ankam. Offen blieb hingegen die Frage, wie sich die Verdrängung der Menschenmassen aus dem Görlitzer Park auf die Nutzung anderer Parkflächen wie der am Schlesischen Busch und in den Straßenzügen des Wrangelkiezes auswirken könnte.

Konzept prüfen

Grundsätzlich solle das Konzept des MyFestes für die kommenden Jahre noch einmal prüfend überdacht werden, lautete der einstimmige Tenor unter den Kieznachbarn an diesem Abend. „Ich sehe überhaupt nicht ein, dass wir hier in Kreuzberg zum alljährlichen Feier- und Sauf-Mekka erklärt werden“, brachte eine Nachbarin diesen Wunsch auf den Punkt. „Weniger Party – mehr Politik“, so solle die Gewichtung ausfallen, zu der das MyFest in den kommenden Jahren stattfinden könnte.

Mehr Kiezfeier

„Wir sollten das Fest nicht aus der reinen Angst heraus machen, um es als Alternative zu Horrorszenarien mit Randale und Gewalt zu veranstalten. Die Befragung hat gezeigt, dass eine ausgewogene Festgestaltung wie die auf dem Mariannenplatz auch gut bei den Bewohnern ankommt“, so Monika Herrmanns Einschätzung zum neuen Konzept für das MyFest der kommenden Jahre. Mehr Kiezfeier anstelle von Party-Ramba-Zamba sei möglich.

Datum: 31. Januar 2019, Autor: Stefan Bartylla, Bilder: imago/Emmanuele Contini, Stefan Bartylla