3.000 Wohnungen für Siemensstadt 2.0

Konzern und Senat informierten über Stand der Planungen für neuen Stadtteil

Nichts weniger als „die Zukunft der Arbeit in Verbindung mit Produzieren, Forschen, Lernen, Wohnen“ soll die „Siemensstadt 2.0“ repräsentieren. Diese will der Siemens-Konzern bis zum Jahr 2030 auf einem bislang unzugänglichen, gut 940.000 Quadratmeter großen Industriegelände zwischen Siemensbahn, Rohrdamm und Nonnendammallee errichten. Kosten: rund 600 Millionen Euro.

Doch das Projekt weckt unter den Menschen in der Siemensstadt auch Ängste. Werde ich meine Miete noch zahlen können, wenn die Aufwertung kommt? Wird der Verkehr zusammenbrechen, wenn bis zu 3.000 Wohnungen auf dem Siemens-Gelände entstehen? Wer kann sich diese Wohnungen überhaupt leisten? Und: Was wird aus den gut 11.000 Siemensianern an den jetzigen Standorten in Spandau und anderswo in der Stadt?

Hohe Erwartungen

Hoch waren die Erwartungen an eine Info-Veranstaltung der Spandauer SPD zum aktuellen Stand der Planungen. Vertreter von Landespolitik und Konzern warben am Montag im überfüllten Gemeindesaal der Christophoruskirche dafür, an das Potenzial der neuen Siemensstadt zu glauben, wenngleich noch vieles im Dunkeln liegt.

Konzernsprecher Yashar Azad kündigte an, dass gegen Ende Mai der Städtebauliche Wettbewerb startet. Damit soll bis zum Herbst der Rahmen für die ab dem Jahr 2020 phasenweise einsetzende Bebauung gesteckt werden. Das war im Groben bereits weithin bekannt. Neu war hingegen der damit verknüpfte Appell an alle Interessierten, sich am im Zuge des Wettbewerbs in die Planungen, die sämtliche historische Gebäude auf dem Areal integrieren soll, einzubringen. Das gilt auch für den Namen des künftigen Stadtviertels: „Siemensstadt 2.0“ sei nur ein Arbeitstitel. Azad kündigte eine stadtweite Beteiligungskampagne für kommenden April an. Und zum Thema Wohnen: 70.000 bis 100.000 Quadratmeter der 200.000 Quadratmeter großen Fläche für neue Wohnungen sei für „sozialen Wohnungsbau“ vorgesehen: also mindestens jene 30 Prozent, die das Berliner Baurecht ohnehin vorsieht.

Gedämpfte Hoffnungen

Azad dämpfte Hoffnungen auf ein Jobwunder: „Die ,Siemensstadt 2.0’ ist kein Arbeitsaufbauprojekt, es geht um die Sicherung unseres größten Produktionsstandortes.“ Raed Saleh, SPD-Kreischef und Fraktionsvorsitzender im Abgeordnetenhaus, kündigte an, in den nächsten Monaten das Thema Milieuschutz für die Siemensstadt und andere Spandauer Kieze voranzutreiben. Parallel soll ein Gesamtverkehrskonzept für den derzeit gut 12.000 Menschen zählenden Ortsteil im ohnehin boomenden Spandauer Osten erarbeitet werden. Auch an diesem Abend mehrten sich Forderungen aus dem Publikum wie auf dem Podium, wo unter anderem Senatskanzleichef Christian Gaebler (SPD) zugegen war, die stillgelegte Siemensbahn möglichst schnell zu reaktivieren. Azad kündigte zudem an, Siemens wolle die E-Mobilität voranbringen. Kurz zuvor war bekanntgeworden, dass der Senat dem Bezirk die Planungshoheit über das Projekt wegen dessen besonderer stadtpolitischer Bedeutung entziehen will. Ein endgültiger Beschluss stand bis zum Redaktionsschluss aus.

Datum: 31. Januar 2019. Text: Nils Michaelis. Grafik: Siemens AG