Tempelhof bekommt eine neue Mitte

Ein neuer Stadtteil mit 500 Wohnungen soll bis zum Jahr 2030 am Rathaus entstehen.

Mit der Erweiterung des Tempelhofer Rathauses, dem Abriss und dem Neubau der Stadtteilbibliothek, des Polizeigebäudes und des Schwimmbades sowie auch der Schaffung eines völlig neuen Wohngebietes hat sich Tempelhof-Schöneberg für das kommende Jahrzehnt ein gewaltiges Städtebauprojekt auf die Vorhabenliste gesetzt. Östlich vom Tempelhofer Damm auf einer Fläche von 62 Hektar wird zwischen Götzstraße und Rathaus ab dem Jahr 2021 nach und nach ein riesiges Baufeld aufgemacht. „Das was wir dort haben, soll in Zukunft ertüchtigt und optimal eingesetzt werden“, sagt Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD). „Für das Mehr an Menschen muss auch der Rest mit wachsen“, so ihre simple Erklärung zu den Plänen auf den Flächen östlich und nördlich des Tempelhofer Rathauses.

Projekt nimmt Fahrt auf

Sebastian Scheel, Angelika Schöttler und Jörn Oltmann (v.l.)

Noch befindet sich das Großprojekt in der groben städtebaulichen Vorplanung. Allein die Finanzierung der ersten Tranche der geschätzten Investitionssumme steht fest: 30 Millionen Euro fließen dafür aus dem Topf „Stadtumbau“ des Senats. Hinzu kommen noch viele Millionen Euro aus dem Berliner „Siwana-Budget“, das für die Anforderungen der wachsenden Stadt aufgelegt wurde. Zusammen mit den Mitteln aus anderen Senats- und Bezirkstöpfen soll am Ende eine Gesamtinvestitionssumme von 180 Millionen Euro in die Neuordnung des Gebietes fließen. „Das Quartier am Tempelhofer Rathaus ist eines der 19 Berliner Gebiete im Förderprogramm Stadtumbau, in denen Angebote für Kultur, Bildung und Freizeit parallel zum Wohnungsbau geschaffen werden sollen“, sagt Sebastian Scheel (Die Linke), Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Im neuen Stadtteil sollen insgesamt 500 Mietwohnungen entstehen. „Fünfzig Prozent davon werden den Kriterien und Miethöhen des sozialen Wohnungsbaus entsprechen. Der Rest wird eine Nettokaltmiete von zehn Euro pro Quadratmeter nicht überschreiten“, sagt Scheel. Den Wohnbau-Part des Projektes wird wohl eine städtische Wohnungsbaugesellschaft realisieren. Zwanzig Prozent des Gesamtbestandes könnte zudem noch eine Wohnungsbaugenossenschaft bauen und verwalten. Per Ausschreibungen wird über diese Details in den nächsten Jahren entschieden.

Aus eigener Kraft

„Weil alle Flächen in landeseigenem Besitz sind, haben wir die große Chance, an diesem ganz zentralen Standort bezahlbaren Wohnraum mit guter Infrastruktur und zukunftsweisenden Strukturen zu schaffen“, sagt Scheel. Und dazu sollen die vorhandenen Einrichtungen dicht an den Tempelhofer Damm und an die Götzstraße rücken, damit Platz für den Wohnungsbau im Zentrum des Geländes geschaffen werden kann. Auch die Kosten für die Modernisierung der mächtig in die Jahre gekommenen Einrichtungen werden mit deren Neubau gleich mit kompensiert. „Allein die Modernisierung der Stadtteilbibliothek würde uns zwölf Millionen Euro kosten“, rechnet Kulturstadträtin Jutta Kaddatz (CDU) vor. Der geplante Neubau käme da zwar etwas teurer, böte aber viel bessere Voraussetzungen für Ergänzungen mit Kultur- und Bildungsangeboten und den besser erschlossenen Standort am Tempelhofer Damm.

Echter Hotspot

„Auch alle anderen bislang flächenintensiv angelegten Nutzungen können so optimiert werden“, vertieft Baustadtrat Oltmann (Bündnis 90 / Die Grünen) diese Strategie, die ab 2021 mit dem Neubau des Polizeigebäudes an der Götzstraße starten soll. Danach wird das Schwimmbad im Jahr 2022 gebaut. Der Wohnungsbau und die Erweiterung um ein Verwaltungsgebäude am Rathaus folgen ab 2024/25. Im Jahr 2030 soll alles fertig sein. Am Ende wird Tempelhof hier ein völlig neues Quartier erhalten. „Ein echter Hotspot mit bester Verkehrsanbindung, der als Schmnuckstück den Tempelhofer Damm völlig neu sortieren dürfte“, hofft Bezirksbürgermeisterin Schöttler.

Datum: 02. Februar 2019, Autor: Stefan Bartylla, Bilder: Stefan Bartylla