Ungewissheit in den Gerichtshöfen

Gesobau und Künstler beenden zweijähriges Mediationsverfahren.

Wedding – Seit mehr als 30 Jahren sind die Ateliers in den Gerichtshöfen fester Teil der Weddinger Kunstszene. In den vergangenen Jahren aber mussten die Mieter um ihre Zukunft in den Gewerberäumen bangen. Die Vermieterin, die stadteigene Gesobau, kündigte 2016 an, einige der Gewerbeflächen in Wohnraum für Studenten umwandeln zu wollen. In einem zweijährigen Mediationsprozess wollten Gesobau und die Künstler nach einer Lösung suchen, Kunst und studentisches Wohnen in den Gerichtshöfen zu vereinen, ohne die langjährigen Mieter zu verdrängen sowie die Zukunft der Gerichtshöfe zu sichern. Ende Dezember wurde das Verfahren ohne Ergebnis beendet.

Ungewisse Zukunft

Jetzt fragen sich nicht nur die Künstler, wie es in Zukunft weitergeht mit ihren Gerichtshöfen. Auch im Bezirksparlament wird das Thema diskutiert. Die Grünen fordern, den Diskussionsprozess weiterzuführen und langfristige gewerbliche Vermietung in der Gerichtsstraße 12 sicherzustellen. Neuvermietungen sollen die positive Mischung aus Künstlern und produzierenden Gewerken zusätzlich fördern. Ziel sei es, eine Kooperationsvereinbarung und eine „nachhaltige Zusammenarbeit“ zu ermöglichen. Ob es zu weiteren langfristigen Gesprächen zwischen Künstlern und Wohnungsgesellschaft kommen wird, ist derzeit allerdings unklar. „Trotz großer Zugeständnisse der Gesobau“ konnte in den vergangenen Monaten kein Konsens gefunden werden, erklärt eine Sprecherin des Unternehmens auf Anfrage des Berliner Abendblattes. In den kommenden zwei Jahren sollen deshalb nun die erforderlichen Modernisierungen der Wohnhäuser in der Gerichtsstraße 12/13 vorbereit werden und ab 2020 erfolgen. In den Gewerbehöfen erfolge eine Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Situation und es werdeb, sofern erforderlich, Verkehrssicherungsmaßnahmen durchgeführt, so die Sprecherin weiter.

Der ursprüngliche Plan zur Schaffung von studentischem Wohnraum ist derweil vom Tisch. Die Grünen sorgen sich dennoch um die Zukunft der Künstler, die auch künftig keine langfristigen Mietverträge erhalten. Auch für neue Mieter sei die Situation eher abschreckend, ihnen fehle es bei den kurzen Vertragslaufzeiten schlicht an Planungssicherheit. „Die Künstler und Gewerbemieter erhalten weiterhin Verträge mit einer Laufzeit von maximal zwei Jahren. Aktuell ausgelaufene, kurzfristige Verträge wurden bereits um ein weiteres Jahr verlängert“, heißt es dazu von der Gesobau. Die Grünen forderten, die Gespräche zwischen Mieter und Vermieter weiterzuführen. Nur so könne der Standort für Künstler, Gewerbetreibend und Kulturschaffende auch in Zukunft gesichert werden.

Datum: 2. Februar 2019, Text: Katja Reichgardt, Bild: Kunst in den Gerichtshöfen