Moabiter Mieter fürchten Verdrängung

Wohnhaus an der Rathenower Straße wurde an die private Hand verkauft.

„Eigentümerwechsel in private Hand“. Das wovor sich dieser Tage wohl die meisten Mieter Berlins fürchten, könnte für die Bewohner des Hauses an der Rathenower Straße 59 bald Realität werden. Wer genau der neue Vermieter ist und was er mit der Immobilie vorhat, hat die Mietergemeinschaft zwar noch nicht erfahren, die Furcht vor Luxussanierungen und horrenden Mietsteigerungen in dem Haus aber ist groß.

Einziger Hoffnungsschimmer: Das Wohnhaus liegt gerade noch im Milieuschutzgebiet Birkenstraße. Hier sollen Bewohner eigentlich vor Mietsteigerungen und unnötigen Sanierungen bewahrt werden. Außerdem stehen die Chancen auf einen Vorkauf durch den Bezirk in den sozialen Erhaltungsgebieten gut. Auf Letzteres setzen die Mieter nun – und haben eine Online-Petition gestartet. Unter dem Motto „Rathenower Straße 59 Berlin-Moabit soll verkauft werden. Wir sagen Nein!“ suchen sie nach Unterstützern für ihr Anliegen. „Wir wollen mit dieser Petition das Land Berlin erreichen und auffordern, das Vorkaufsrecht unseres Hauses wahrzunehmen. Unser Haus darf nicht verkauft werden, es würde vielen Familien das Zuhause kosten, die woanders keine Chance hätten eine bezahlbare Mietwohnung zu finden“, heißt es auf der Seite der Unterschriftenaktion.

Einige Häuser weiter hatte der Bezirk im vergangenen Jahr erstmals vom Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht. In Zusammenarbeit mit der landeseigenen WBM konnten die Mieter der Rathenower Straße 50 so vor dem Verkauf an einen privaten Investor bewahrt werden. Ob es dazu auch in der Nummer 59 kommen wird, ist hingegen fraglich. Wer die Mieter, darunter auch viele Rentner und Studenten, bei ihrem Anliegen unterstützen möchte, findet die Petition hier.

Datum: 7. Februar 2019, Text: Katja Reichgardt, Bild: imago/Sven Simon