Neukölln: Knockout für die Müllsheriffs

Die Jagd auf Müllsünder durch einen beauftragten Sicherheitsdienst endet demnächst.

Dass Neukölln ein Problem mit Müll hat, ist nicht zu leugnen. Nahezu täglich erreichen die Abendblatt-Redaktion Beschwerden von Lesern, die einen illegalen Müllberg melden wollen. Nicht nur an den Hotspots des Bezirks wimmelt es von Unrat, auch in den gediegeneren Kiezen im Süden besteht das Problem. Ein Leser zum Beispiel thematisierte die Vermüllung des Akazienwaldes in Britz. „Seit Juli 2018 hebe ich zum Teil alleine in beiden Akazienwaldteilen überall Müll und Sperrmüll sowie Drogenspritzen auf und entsorge alles fachgerecht“, schreibt der Leser. Die Beschwerden der Anwohner würden immer lauter und sogar bis ins Rathaus Neukölln vordringen. Dort heißt es auf Nachfrage des Berliner Abendblattes, was der Bezirk gegen die Vermüllung tun will, dass das Thema für Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) eines der wichtigsten überhaupt sei. Doch was genau steckt dahinter?

Vertrag läuft aus

Zuerst einmal gilt es zu berichten, dass die Neuköllner „Müllsheriffs“ zum 14. Februar aufhören. Das Pilotprojekt wurde im Mai 2017 noch von der damaligen Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) ins Leben gerufen. Die Idee: Ein privater Sicherheitsdienst wurde damit beauftragt, zehnmal im Monat Streife durch die Hotspots des Bezirks zu gehen und Müllsünder aufzuspüren. Konkret sieht das so aus: In ziviler Kleidung überwachen die Sheriffs die Hotspots und schreiten ein, wenn sie Müllsünder auf frischer Tat ertappen. Das bedeutet, dass Ordnungsamt oder Polizei hinzugezogen werden, um Anzeige zu erstatten. Der Hintergrund für das Projekt „Müllsheriffs“ war, dass die Mitarbeiter des Ordnungsamtes zum einen nicht nachts unterwegs sein dürfen und zum anderen keine Kapazitäten hatten, verstärkt gegen Müllsünder vorzugehen. Elf Angestellte werden damit momentan noch beschäftigt. In insgesamt 20 Fällen konnten durch die Müllsheriffs Delikte konkret beobachtet, zur Anzeige gebracht und entsprechend Bußgelder verhängt werden. Der Vertrag mit dem Sicherheitsdienst läuft nun aus und wird nicht verlängert.

Seit diesem Jahr stehen dem Bezirk allerdings elf neue Stellen für das Ordnungsamt zur Verfügung. „Diese befinden sich derzeit in der Besetzungsphase“, teilt Christian Berg, Sprecher des Bürgermeisters mit, und weiter: „Durch die Verstärkung des Allgemeinen Ordnungsdienstes wird damit auch der Kampf gegen den Müll in Neukölln verstärkt werden können.“ Insofern werden die Müllsheriffs nicht ersatzlos abgeschafft, sondern ihre Aufgabe soll künftig durch das Ordnungsamt übernommen werden.

“Schön wie wir”

Darüber hinaus setzt Martin Hikel stark darauf, alle Neuköllner zum Thema Müll zu sensibilisieren. Dazu wird die Kampagne „Schön wie wir“ ausgeweitet. Ziel dieser Bewegung ist es, zusammen mit Anwohnern, Unternehmen und Vereinen den Kiez aufzuräumen und ihn lebenswerter zu machen. Wer Interesse hat, sich einfach informieren oder eine Aktion anmelden möchte, findet die Details zur Kampagne im Internet (Link am Ende des Artikels). Der Kampf gegen die Vermüllung ist laut eigenen Angaben einer der Schwerpunkte für Martin Hikel in 2019.

Müllproblem wächst

Im Jahr 2017 sind in Neukölln 12.203 Müllmeldungen beim Ordnungsamt eingegangen, im Jahr 2018 waren es 12.536. Das sind mehr als 34 Meldungen pro Tag. Darin sind sämtliche Arten von Meldungen enthalten, darunter illegaler Sperrmüll oder Bauschutt. Mehrfachmeldungen sind rausgerechnet, es handelt sich also um die Netto-Zahlen. Das Büro des Bürgermeisters kündigt an, sich ab dem Frühjahr verstärkt auf das Thema Verwahrlosung/Müll zu konzentrieren.

Datum: 08. Februar 2019, Autor: Sara Klinke, Bild: imago/STPP, imago7photothek