Lichterfelde: Kinderrettungsstelle soll geschlossen werden

Charité: Einrichtung am Klinikum Benjamin Franklin arbeitet nicht wirtschaftlich.

Unter vielen Eltern im Bezirk macht sich Alarmstimmung breit: Die Kinderrettungsstelle im Charité-Klinikum Benjamin Franklin (CBF) soll geschlossen werden. Das berichtete der CDU-Abgeordnete Adrian Grasse nach einer Veranstaltung zu dem Thema. Der Ärztliche Direktor Ulrich Frei habe vor allem wirtschaftliche Gründe genannt. „Aus Sicht der CDU wäre das die falsche Entscheidung, die nicht die Entwicklung in Steglitz-Zehlendorf berücksichtigt“, erklärte Grasse. Schließlich entsteht in Lichterfelde Süd ein neuer Stadtteil, der viele Familien mit Kindern anzieht. Eindeutiger Tenor von Gästen und anwesenden Kinderärzten sei gewesen, dass der Südwesten der Stadt eine bessere Medizinische- und Notfallversorgung speziell für Kinder sowie eine Kinderstation benötige. „Wir machen weiter politisch Druck“, so Grasse.

Frei erklärte gegenüber dem „Berliner Kurier“, man sei mit der zuständigen Senatsverwaltung im Gespräch, ob die Fortführung der kinderärztlichen Notfallversorgung an einem Krankenhaus ohne Kinderklinik einerseits erforderlich und andererseits qualitativ noch vertretbar ist. „Eine Entscheidung dazu steht aber noch aus.“

Personal rotiert

Frei nennt ein entscheidendes Problem: Weil das CBF seit einiger Zeit über keine Kinderklinik mehr verfügt, kommt das Personal für die Kinderrettungsstelle derzeit vom Charité Campus Virchow-Klinikum in Wedding. Viele halten die Personalrotation für untragbar. So auch Gesundheitsstadträtin Carolina Böhm. Ein Aus sei aber nur dann tragbar, wenn ein tragfähiges Ersatzkonzept vorliegt. „Wie das aussehen könnte, diskutieren wir derzeit mit allen Seiten“, so die SPD-Politikerin.

Für sie liegen zwei Optionen auf dem Tisch: Entweder erhält die derzeitige Kinderrettungsstelle eine „vernünftige“ kinderärztliche Ausstattung. Oder aber andere Krankenhäuser und Arztpraxen, die dafür ihre Sprechzeiten am Abend und am Wochenende ausdehnen müssten, springen ein. Laut Böhm verzeichnete der Anlaufpunkt am CBF 2017 rund 3.500 Besuche. 2015 seien es 4.000 gewesen. Die Kinderrettungsstelle am Virchow-Klinikum habe jüngst hingegen etwa 50.000 Besuche mit Kindern gezählt.

„An manchen Tagen gab es im CBF nur zehn Fälle“, so Böhm. Gleichwohl könne sie die „Panik“ der Eltern verstehen, sich womöglich auf weitere Wege einstellen zu müssen. „Aus Steglitzer Sicht wäre die nächste Anlaufstelle im St.-Joseph-Krankenhaus in Tempelhof, während viele Zehlendorfer Familien bei Notfällen mit Kindern schon jetzt auf Potsdam ausweichen.“

Versorgung verschlechtert

Der Gesundheitsausschuss hat kürzlich einen von CDU, SPD und FDP unterstützten Antrag beschlossen, der sich dafür einsetzt , dass die Kinderrettungsstelle in „fachlich angemessener Weise betrieben und erhalten bleibt“. Ein Wegfall würde die Versorgungssituation dramatisch einschränken. Am 20. Februar soll darüber in der Bezirksverordnetenversammlung abgestimmt werden.

Datum: 14. Februar 2019. Text: Nils Michaelis. Bild:Thinkstock/iStock/yacobchuk