Haus Heike: Ausstellung an Ort mit bewegter Geschichte

Hohenschönhausen: Nach jahrelangem Verfall arbeiten jetzt in der renovierten Industriellen-Villa Künstler in ihren Ateliers.

In der restaurierten Villa Heike, Freienwalder Straße 17, hat der Künstler Pierre Granoux, der hier den Projektraum LAGE EGAL betreibt, gemeinsam mit Sarie Nijboer und Michael Schäfer die Ausstellung „Villa Heike an other stories (Restricted Area #2)“ kuratiert. In ihr erforscht eine Gruppe von Künstlern den Einfluss der Geschichte auf bestimmte Orte. In diesem Fall geht es um das bis zum Jahr 1989 von der Staatssicherheit genutzte Areal, zu dem auch die „Villa Heike“ gehört.


Das schrieb der Berliner Kurier zur Geschichte des Hauses:

Begonnen hat alles im Jahr 1911. Der Fleisch- und Wurstmaschinenbaufabrikant Richard Heike baute sich ein Wohn- und Geschäftshaus im Stahl-Skelettbau mit großer Ausstellungshalle im Erdgeschoss. Bis Ende des Zweiten Weltkrieges war er einer der wichtigsten Arbeitgeber in Hohenschönhausen – sein Reichtum basierte auch auf dem Einsatz von Zwangsarbeitern. Nachdem die Rote Armee das Gebiet erobert hatte, erschossen Soldaten Heike und seine Haushälterin noch auf der Kreuzung vor der Firma. Der Sohn des Unternehmers wurde in ein sowjetisches Arbeitslager deportiert und starb dort.

Im Sommer 1945 beschlagnahmte die sowjetische Geheimpolizei das Gebäude. Hier richtete der NKWD seine Zentrale ein, Verhöre fanden statt. 1951 wurde die Villa der Stasi übergeben. Diese richtete die Hauptabteilung Personenschutz des MfS ein, anschließend lagerten die Geheimen hier ihr NS-Archiv – enorme Aktenberge aus dem Volksgerichtshof und von der Gestapo.


Im Jahr 2016 übernahm Michael Schäfer mit vier Künstlerkollegen die leerstehende Villa, um dort Künstlerateliers einzurichten. Nach der Renovierung öffnet die Villa nun mit der aktuellen Ausstellung ihre Pforten. 30 Jahre nach dem Mauerfall spielt in ihr die Wahrnehmung historischer Zusammenhänge aus heutiger Sicht ebenso eine Rolle wie das historische und objektive Wissen von Orten, Objekten und Menschen.

Ausgangspunkt dafür ist die Geschichte des Ausstellungsortes selbst. Ab 1903 wurde die dreistöckige Villa als Verwaltungs- und Wohngebäude vom Maschinenbauer Richard Heike genutzt. 1951 wurde das Haus Teil des sogenannten „Sperrgebietes“, das auf DDR-Straßenkarten nur als weißer Fleck existierte.

Mit der Wiedervereinigung wurden geheime NS-Akten, die die Staatssicherheit hier bis zur Wende lagerte, dem Bundesarchiv übergeben. Die Ausstellung wird am 16. Februar, 18 Uhr, im Projektraum LAGE EGAL eröffnet und ist bis 16. März, immer freitags und samstags, 15 bis 18 Uhr, zu sehen.

Datum:16. Februar 2019 Text: Redaktion BILD: Christof Schubert Architekten