Investor muss den Rundlokschuppen retten

Pankower Tor: Berliner Verwaltungsgericht stellt sich auf die Seite des Denkmalschutzes

Das muss ein Termin so ganz nach dem Geschmack der obersten Pankower Denkmalschützerin gewesen sein. Denn während Kerstin Lindstädt, die Chefin der Unteren Denkmalschutzbehörde Pankow, zuletzt bei den Modernisierungsmaßnahmen im Falle des denkmalgeschützten Wohnensembles rund um die Sellinstraße komplett versagte, darf sie sich nun den Erhalt des Rundlokschuppens und des Verwaltungshauses auf dem einstigen Bahngelände in Pankow-Heinersdorf an die Fahne heften.

Schwelender Streit

Doch der Reihe nach: 2010 erwarb Krieger das Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerkes zwischen den S-Bahnhöfen Heinersdorf und Pankow. Der Möbelhändler (Höffner, Sconto) will hier das Stadtquartier Pankower Tor mit 2.000 Wohnungen, Geschäften, einer Schule und Möbelhaus entwickeln und mehr als 500 Millionen Euro investieren.

Dieser hart errungene Konsens zwischen Land Berlin, Bezirk und Investor wurde allerdings vom weiterhin schwelenden Streit über den östlichen Zipfel des Areals mit den denkmalgeschützten Rund- und Ringlokschuppen und dem Verwaltungsgebäude. Die hatte Krieger, so argumentierte Edda Metz, die Geschäftsführerin der Krieger Handel SE, nur deshalb zugekauft, weil er an dieser Stelle eine Sekundarschule für das neue Stadtviertel errichten sollte. Die Schule bekommt jetzt einen anderen Standort, was blieb, war die Forderung des Bezirks, die genannten Gebäude zu erhalten.

Urteil gefällt

Krieger wehrte sich fünf Jahre lang gegen die Auflagen und Anordnungen der Unteren Denkmalschutzbehörde mit Widersprüchen sowie Anträgen und Klagen bei Gericht. Ziel des Investors, so seine Vertreterin Edda Metz, „ist es, den Ringlokschuppen zu erhalten.“ Das ginge aber nur,wenn der Rest des Areals wirtschaftlich genutzt werden könne. Was im Klartext heißt: Abriss der anderen beiden Gebäude.

Doch da lehnte Denkmalschützerin Lindstädt ab, wobei keinem so recht klar ist, warum sie das Verwaltungsgebäude aus den 1960er-Jahren für so unbedingt erhaltenswert hält. Sei es wie es sei: Zwei der drei seit 1996 unter Denkmalschutz stehenden Gebäude müssen, so das vor Ort gefällte Urteil von Verwaltungsrichter Matthias Schubert, vor dem endgültigen Verfall bewahrt werden.

Krachende Niederlage

„Erstens sind es Denkmäler. Und zweitens drohen sie zu verfallen. Und es ist nicht ersichtlichm dass die Erhaltungsmaßnahmen unzumutbar sind“, sagte Schubert. Und weiter: „Bei der wirtschaftlichen Zumutbarkeit spielt eine Rolle, dass die Grundstücke im Zusammenhang mit weiteren Grundstücken erworben worden sind – und das offensichtlich zu einem Nicht-Baulandpreis“, so der Richter.

Seine Entscheidung: Der Eigentümer muss Bürogebäude und Rundlokschuppen instand setzen lasse. Der Ringlokschuppen aber liege zu nahe an den Gleisen der ICE-Trasse. Weil deshalb unklar sei, ob und wie er weiter genutzt werden kann, müsse er nicht vom Investor erhalten werden.

Alles in allem eine krachende Niederlage für Krieger, er allerdings noch in Berufung gehen kann. Ihm droht allerdings schon neues Ungemach. Doch diesmal nicht aus Richtung Denkmalschutz. Kriegers neues Einkaufszentrum, warnt der ADFC, stünde dem Verlauf des Radschnellweges Panketrail im Wege. Schon gibt es eine rührige Bürgerinitiative, die auf die hundertprozentige Einhaltung der Pläne für den Radweg pocht.

Datum: 16. Februar Text: Manfred Wolf Bild: imago/Jürgen Ritter