Viel Nachholbedarf bei Weddings Erstklässlern

Moabiter und Weddinger Schulkinder schneiden in Einschulungsuntersuchung schlecht ab.

Mittes Schüler kommen mit schweren Defiziten in die Schule. Das zumindest zeigen die entsprechenden Zahlen der Einschulungsuntersuchungen für 31.479 Berliner Kinder, die im Schuljahr 2017 eingeschult wurden. Der Bezirk schneidet dabei besonders in den Bereichen Visuomotorik und Mengenvorwissen schlecht ab. Die Visuomotorik umfasst die Koordination Hand und Augen, also die Fähigkeit, Dinge akkurat auszuschneiden oder einfache Strichzeichnungen nach Vorlage anzufertigen.

Das sogenannte Mengenvorwissen zählt zu den mathematischen Vorläuferfähigkeiten. Schüler, die hier schlecht abschneiden, haben später häufig Probleme beim Verstehen von mathematisch-logischen Aufgabenstellungen. In Mitte haben fast 30 Prozent der 2017 eingeschulten 3.137 Kinder Probleme in diesem Bereich. Im Nachbarbezirk Pankow sind es gerade einmal 20 Prozent. Noch größer sind die Unterschiede bei der Visuomotorik: Bei fast 23 Prozent der Erstklässler gab es hier 2017 Defizite. Lediglich in Neukölln war der Nachholbedarf mit 23,2 Prozent noch höher. Was die sprachliche Entwicklung anbelangt, schnitten Mittes Kinder hingegen besser ab.

Mangelnde Deutschkenntnisse

Auffällig sind aber die fehlenden Deutschkenntnisse bei Kindern mit Migrationshintergrund. Fast 19 Prozent der Kinder und Eltern verfügten bei der Einschulung über unzureichende Kenntnisse der deutschen Sprache, in Treptow-Köpenick waren es gerade einmal 2,5 Prozent. Vor allem Weddinger und Moabiter Kinder haben hier Probleme. Im Wedding liegt ihr Anteil bei 44,2 Prozent, einige Straßen weiter Richtung Mitte Zentrum sind es nur noch 24 Prozent. Die Dauer des vorangegangenen Kita-Besuchs scheint sich hier nicht so deutlich auf die Leistungsfähigkeit der Kinder auszuwirken, wie meist angenommen. Rund 80 Prozent des Weddinger Nachwuchs und 88 Prozent der Moabiter Kinder waren vor ihrer Einschulung mindestens zwei Jahre in einer Kindertagesstätte. „Der Einfluss des Kitabesuchs ist schwächer als der der sozialen Lage der Familie“, kommentiert Gesundheitssenatorin Dilek Kolat die Ergebnisse.

Generell habe ein Kitabesuch durchaus positive Auswirkungen auf die Sprachentwicklung. Kinder aus sozial benachteiligten Familien kämen aber oftmals später in die Kita „als Gleichaltrige aus sozial besser gestellten Familien, sodass für ihre Förderung in der Kita weniger Zeit zur Verfügung steht“, so Kolat weiter. Die Ergebnisse der Einschulungsuntersuchung zeigen aber auch bei Kindern aus allen anderen Bezirken schwerwiegende Defizite auf. Entscheidender Faktor bei der Leistungsfähigkeit der Schüler, ihrem Gewicht und Gesundheitszustand ist nach wie vor ihre soziale Herkunft. Das lässt sich gut am Beispiel der untersuchten Sprachdefizite erkennen: Rund 60 Prozent der Kinder aus einer Familie mit unterem Sozialstatus haben hier Probleme. In der oberen Statusgruppe sind es gerade einmal zehn Prozent.

Medien-Konsum

Neu ist bei der Untersuchung für das Schuljahr 2017 die Erfassung des kindlichen Konsums von elektronischen Medien, die ergab, dass jedes vierte Kind im Vorschulalter bereits über ein eigenes elektronisches Gerät verfügt. Im Wedding sind 31 Prozent der Kinder mit Handy oder Tablet unterwegs.

Datum: 17. Februar 2019, Text: Katja Reichgardt, Bild: Thinkstock/iStock/ DGLimages