Mit der Komischen Oper Sprachbarrieren überwinden

Willkommensklassenprojekt rund um Sergej S. Prokofjews „Peter und der Wolf“ hilft Kindern, die deutsche Sprache zu lernen.

Seit November vergangenen Jahres streunen „Peter und der Wolf“ durch die Feldmark-Schule in Neu-Hohenschönhausen und nehmen die Schüler mit auf eine ganz spezielle Reise. Beim Willkommensklassenprojekt der Komischen Oper nähern sich die Schüler einerseits einem klassischen Stoff des westlichen Kinderkonzertrepertoires und finden andererseits künstlerische Wege, die eigene Lebensgeschichte zu erzählen, die deutsche Sprache zu lernen und ihren Körper als Kommunikations- und Ausdrucksmittel zu entdecken. Von den ersten neuen Wörtern über eigene Szenen und einem ersten Besuch im Opernhaus bis hin zur zweisprachigen Aufführung im Juni steht eine spannende Zeit vor den jungen Talenten.

Fantasie wecken

Am Anfang stehen offene Ohren für unbekannte Klänge. Die Charaktere betreten den Raum: Peter und der Wolf, Ente, Großvater, Vogel, Katze und Jäger. Sie alle haben ihren eigenen Platz in der Fantasie der Kinder. Jedes von ihnen findet eine eigene Geschichte und sich selbst mittendrin: Bin ich eher ein Peter oder ein Großvater? Lieber unschuldige Katze? Oder gehe ich auf Nummer sicher, bin Jäger und habe das Gewehr auf meiner Seite? Während der Klärung dieser Fragen verhandeln die Schüler zwischen sechs und 13 Jahren spielerisch elementare Fragen ihres Menschseins. Erst am Ende der kreativen Arbeit fügen sich die Puzzleteile bei der zweisprachigen Aufführung (Deutsch und Arabisch) von „Peter und der Wolf“ für die gesamte Schule in der Komischen Oper zusammen. Und auch dann ist es noch nicht zu Ende: Mit einer CD kann die Geschichte zuhause weitererzählt werden – entweder von einem zweisprachigen Erzähler oder von den Kindern selbst, denn die CD enthält auch die rein instrumentale Fassung.

Unglaubliche Kraft

Anne-Kathrin Ostrop ist Musiktheaterpädagogin an der Komischen Oper und hat dieses Konzept extra für Willkommensklasse entwickelt. „In unserem Projekt erleben wir oft erstaunliche Verwandlungen – es steckt eine unglaubliche Kraft in den Kindern, wenn sie sich in unserer gemeinsamen Arbeit gesehen und ernst genommen fühlen“, berichtet sie aus ihren Erfahrungen aus den vergangenen zwei Jahren. Das Willkommensklassenprojekt geht nämlich mit der Spielzeit 2018/19 bereits in seine dritte Saison.

Gesellschaftliche Vielfalt

Die Komische Oper versteht sich als offenes Haus für alle Menschen. Schon seit langem gibt es zu jeder Aufführung deutsche, englische, französische und türkische Untertitel. Ausgewählte Vorstellungen kann man sich über den Livestream zuhause auf dem Sofa ansehen und die Preise sollen laut eigenen Aussagen erschwinglich bleiben. Weitere Infos gibt es im Netz.

Datum: 01. Februar 2019, Text: red, Bild: Aurelio Schrey