Hohenschönhausener Planungen mit Kenntnislücken

Senat kennt keine konkreten Pläne für den S- und Regional-Bahnhof.

Ende 2015 war die Erleichterung groß, als die jahrelangen Bauarbeiten auf der Neu-Hohenschönhausener Brücke an der Falkenberger Chaussee ein Ende fanden. Die Haltestellen der Tram gab es nun in der Mitte der Fahrbahn, Aufgänge von und zu den S-Bahnen waren genauso ausgebaut wie die Aufzüge zu den Regionalbahnsteigen – der Busverkehr war mit einem kniffligen Verfahren in den Fahrtakt der Tram-Bahnen eingefädelt worden. „Allet chic“, dachte sich so mancher Nachbar aus den hohen Vielgeschossern rund um den Prerower Platz und der Pablo-Picasso-Straße angesichts der reibungslosen Abfahrtmöglichkeiten am S-Bahnhof Hohenschönhausen.

Planziel verfehlt

Keine zwei Jahre hielt die Ruhe, ehe die senatseigene Planungsabteilung der Verkehrslenkung Berlin am 15. Mai 2018 doch noch einmal aktiv wurde und die Sanierung der Tram-Gleise und der Brücke mit dem Fertigstellungsziel zum November 2018 startete. Bereits nach wenigen Wochen Bautätigkeit musste diese Vorgabe revidiert werden: „Das geplante Bauende verzögert sich aufgrund vorgefundener Schäden in den unteren Lagen der Bausubstanz auf Dezember 2019“, hieß es in der Mitteilung des Senats.

Doch selbst wenn dieses Planziel eingehalten werden sollte, stehen danach schon bald neue, riesige Herausforderungen in Sachen Brückenumbau auf dem Aufgabenzettel des Berliner Senats. Ehrgeizige Pläne zur Weiterentwicklung des Hochhaus-Kiezes werden schließlich bereits von allen Fraktionen der Bezirksverordnetenversammlung entwickelt.

Die bauliche Situation am Bahnhof Hohenschönhausen hat dabei in allen Planspielen für den Prerower Platz und seine Umgebung eine zentrale Bedeutung. Schon seit Jahren wird über den weiteren Ausbau des Regionalbahnhofes diskutiert, und auch die Instandhaltung der Fahrstühle sowie die mangelhafte Hygienesituation sind immer wieder Themen, die die Nachbarn und die Bezirkspolitik beschäftigen.

Nichts gewusst

Erschreckend dürften nun die Antworten wirken, die der CDU-Abgeordnete Danny Freymark im Zusammenhang mit diesen Plänen von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf eine schriftliche Anfrage hin erhielt. Demnach sieht das Land Berlin überhaupt keine Erfordernis für eine grundlegende Umgestaltung des Bahnhofs.

Auch die vom Bezirk angedachten Planungen zur Inbetriebnahme einer Fahrradstation an gleicher Stelle, die das Bezirksamt forciert, sind dem Senat demnach überhaupt nicht bekannt: „Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz werde grundsätzlich prüfen, welche Anforderungen aus gesamtstädtischer Sicht an die Auswahl, Planung und Ausgestaltung von Mobilitätshubs zu stellen sind und welche Bahnhöfe sich dafür eignen“, heißt es im Antwortschreiben auf Freymarks Anfrage.

Aktuelles Dilemma

Der CDU-Politiker selbst zeigte sich überrascht vom lückenhaften Kenntnisstand, den die Senatsverwaltung angesichts seiner schriftlichen Anfrage offenbart. „Leider beschäftigten uns die Bauarbeiten an unserer Brücke am Bahnhof noch deutlich länger, als ursprünglich geplant“, fasst Freymark das aktuelle Dilemma an der Baustelle auf der Brücke zusammen.

Richtig erschrocken sei er aber vor allem über die Senatsantworten zur Zukunft des Bahnhofs gewesen. „Natürlich muss am Bahnhof selbst, aber auch im Umfeld etwas passieren. Ganz zu schweigen von der kastrierten S-Bahn-Linie S75 mit diversen Zugausfällen, die wir weiterhin nicht klaglos hinnehmen werden“, äußerte sich Freymark zur verkehrlichen Zukunft des Stadtteils.

 

Datum: 27. Februar 2019, Bild und Text: Stefan Bartylla