Digitalpakt sollen Schulen fit fürs Netz machen

Nicht nur bei drahtlosem Internet gibt es einiges aufzuholen.

Lahme Netz-Verbindung, veraltete Technik und mäßig qualifizierte Lehrer: Mehr als 20 Jahre nach dem Siegeszug des Internet steht das digitale Zeitalter an vielen Berliner Schulen noch in den Startlöchern. Mit dem nun im Bundestag abgesegneten Digitalpakt zwischen Bund und Ländern soll alles besser werden. Insgesamt will die Bundesregierung fünf Milliarden Euro in die Digitalisierung der Schulen investieren.

Pädagogische Konzepte

Dabei gehen Bund und Länder arbeitsteilig vor. Grundsätzlich stellt der Bund finanzielle Mittel zum Aufbau einer digitalen Infrastruktur bereit. Die Länder entwickeln pädagogische Konzepte und kümmern sich um die Qualifizierung von Lehrkräften. Außerdem stellen sie mit den Kommunen Betrieb, Support und Wartung sicher und entscheiden, ob und wie mobile Endgeräte in ihren Lernmittelregelungen berücksichtigt sind. Für Berlin stellt der Bund innerhalb von fünf Jahren 260 Millionen Euro bereit, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) dieser Tage. Das seien 52 Millionen Euro jährlich.

Zudem werde Berlin rund 26 Millionen Euro eigene Mittel für die Digitalisierung an Schulen einsetzen. Bund und Länder hatten sich vergangene Woche im Vermittlungsausschuss auf eine für den Digitalpakt nötige Grundgesetzänderung verständigt. Das gemeinsame Ziel sei es, möglichst rasch mit dem „Digitalpakt Schule“ zu starten. Dafür muss nun noch der Bundesrat der Grundgesetzänderung mit einer Zweidrittelmehrheit zustimmen. Die nächste Sitzung ist am 15. März.

Neuer Zusatzkurs

„Ohne das Geld vom Bund bleibt die längst überfällige Digitalisierung auf der Strecke“, so Juliane Petrich vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom). „Insgesamt herrscht an Berliner Schulen nach wie vor Digitalisierungsstau. Das fängt bei der Infrastruktur an, geht weiter über die Förderung digitaler Kompetenzen und Fortbildungen für Lehrkräfte. Verpflichtenden Informatikunterricht gibt es nicht.“ Positiv sei, dass der Senat an einem fächerübergreifenden Zusatzkurs „Digitale Welten“ arbeitet – allerdings nur für die gymnasiale Oberstufe.

Da die Bezirke als Schulträger für die IT-Ausstattung der Schulen zuständig seien, sei die Lage stadtweit sehr uneinheitlich. Petrich: „Es kommt vor, dass die eine Schule darüber klagt, dass für mehr als 2.000 Schüler gerade mal ein Internetanschluss eines Vier-Personen-Haushalts vorliegt, andere Schulen aber bereits überwiegend digital arbeiten.“

Die Abgeordnete Ina Czyborra (SPD) hat beim Senat für alle Bezirke abgefragt, wie die Schulstandorte mit Wlan ausgestattet sind. So gaben in Spandau lediglich drei von 46 Schulen an, in knapp oder genau 100 Prozent der Räume über drahtloses Internet zu verfügen. In Pankow waren es den Angaben zufolge fünf von 66. Einige Schulen waren, wie auch in Spandau, nur in wenigen Räumen damit ausgestattet, mitunter ausschließlich im Lehrerzimmer. Insgesamt 26 Pankower Schulen verfügen demnach über Wlan.

Datum: 1. März 2019. Text: Nils Michaelis. Bild: Thinkstock/iStock/dolgachov