Berliner Mieten steigen weiter

Durchschnittspreise knacken erstmalig die Zehn-Euro-Grenze.

Diese Zahl sorgte in dieser Woche für Aufsehen: Im vergangenen Jahr hat die Durchschnittsmiete in Berlin erstmals die Zehn-Euro-Grenze pro Quadratmeter überschritten. Gleichzeitig hat sich der Anstieg der Angebotsmieten verlangsamt. Das geht aus dem gemeinsamen Wohnmarktreport der Immobilienbank Berlin Hyp AG und des Immobiliendienstleisters CBRE hervor. Demnach stiegen die Angebotsmieten um 5,6 Prozent auf 10,34 Euro pro Quadratmeter. Damit hat sich der Anstieg im Vergleich zu 2017 etwas verlangsamt – damals erhöhten sich die Preise um 8,8 Prozent.

Am teuersten sind Wohnungen in Friedrichshain-Kreuzberg (12,99 Euro), Mitte (12,50 Euro) und Charlottenburg-Wilmersdorf (zwölf Euro). Mit 9,1 Prozent wies Friedrichshain-Kreuzberg zudem die höchste Teuerungsrate auf, in Pankow lag sie bei neun Prozent. Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen sind im Vergleich zum Vorjahr ähnlich stark angestiegen. Mit einem Plus von zwölf Prozent erhöhte sich der durchschnittliche Kaufpreis 2018 auf 4.150 Euro pro Quadratmeter. Vor dem Hintergrund dieser Zahlen forderte Friedrichshain-Kreuzbergs Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) einen radikalen Schritt.

Neue Bewirtschaftunsgsmodelle

Jede zweite Wohnung müsste künftig am Gemeinwohl orientiert, also durch landeseigene Unternehmen, Genossenschaften und Stiftungen bewirtschaftet werden. Dadurch sollten die Wohnungen der Spekulation entzogen werden. Ein „Masterplan 50 Prozent“ sollte noch in dieser Legislaturperiode erarbeitet werden.

Von den rund 1,9 Millionen Mietwohnungen in Berlin werden zurzeit etwas mehr als ein Viertel von den landeseigenen Wohnungsunternehmen und den Genossenschaften bewirtschaftet. Dennoch sei der „Mietenanstieg bei Wiedervermietung trotz Mietpreisbremse und Anstieg der Baufertigstellungen dramatisch“, so der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, Reiner Wild. „Wir müssen die Herausforderungen der wachsenden Stadt annehmen. Aber es muss eine Stadtentwicklung sein, in der auch die Bewohner ihren Platz haben. Eine Innenstadt, in der Haushalte mit mittlerem und niedrigem Einkommen keine Wohnung mehr finden, darf es nicht geben.“ Berlin tue zu wenig für den Sozialen Wohnungsneubau. „Die Landesregierung muss sich endlich trauen, beim Neubau in den CDU-geführten Bauverhindererbezirken Reinickendorf und Steglitz-Zehlendorf durchzugreifen und generell die Bearbeitungszeit für Bebauungspläne deutlich verringern. Der von Florian Schmidt geforderte Masterplan findet unsere volle Unterstützung.“

Jetzt ist hohes Tempo wichtig

Auch IHK-Präsidentin Beatrice Kramm fordert mehr Tempo beim Neubau. „Die aktuellen Zahlen zeigen erneut: Wir brauchen keine ideologisch aufgeheizten Debatten sondern mehr Wohn – und Gewerberaum in Berlin. Und da hilft nur eins: Bauen! Es ist Aufgabe der Politik, Wohnungsbau zu ermöglichen.“

Datum: 5. März 2019, Text: Nils Michaelis, Bild: Thinkstock/ istock / Armin Staut Berlin