Achtzehn Gartenkolonien weichen Neubauten

Entwurf für Kleingartenentwicklungsplan sieht Bebauung ab dem Jahr 2020 vor.

Zehn von achtzehn Standorten in Berlin, die ab dem kommenden Jahr Kitas, Schulerweiterungen, Verkehrsprojekten, Turnhallen und anderen Infrastrukturvorhaben ganz oder teilweise weichen müssen, liegen in Tempelhof-Schöneberg. Damit trifft es den Bezirk laut Entwurf des Kleingartenentwicklungsplans (KEP) bis zum Jahr 2030, den Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) jetzt vorgestellt hat und der im Internet eingesehen werden kann, besonders hart.

Der zweithöchste Anteil entfällt mit drei Kolonien auf den Bezirk Mitte. In Steglitz-Zehlendorf ist den Angaben zufolge nur eine Anlage betroffen. Insgesamt – wenn man Kleingärten hinzuzählt, die im Zuge von Verkehrsprojekten weichen müssen, könnten in den kommenden zehn Jahren rund 850 Parzellen wegfallen, so Schätzungen aus der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Das entspricht einem Prozent aller Kleingärten.

Entschädigung vorgesehen

„Der neue Entwurf des Kleingartenentwicklungsplans ist eine sehr gute Botschaft für die Kleingärtner“, so Günther gegenüber dem RBB. „83 Prozent der Fläche sind dauerhaft gesichert, neun Prozent der Fläche sind bis zum Jahr 2030 garantiert und ein Prozent nehmen wir jetzt in Anspruch.“ Der Plan gebe den Pächtern Sicherheit. Betroffene würden außerdem entschädigt – im Schnitt mit rund 7.000 Euro – und erhielten Ersatz.

In Tempelhof-Schöneberg müssen folgende Kolonien weichen: Borussia (18 Parzellen), Eschenallee (71), Feldschlösschen (11), Friede und Arbeit (7), Germania (10), Hansakorso (51), Kaisergarten (15), Morgengrauen (80), Wild-West (6), Zähringer Korso (48). Was und wann den betroffenen Laubenpiepen das Aus droht, darüber gibt es noch keine Informationen.

Konkrete Pläne

Einzig bei zwei Kolonien gibt es schon einen festen Plan: Die Anlagen „Friede und Arbeit“ sowie „Germania“ werden dem neuen Stadtquartier „Neue Mitte Tempelhof“ weichen müssen. Dort sollen eine Polizei-Dienststelle sowie ein Schwimmbad der Berliner Bäderbetriebe entstehen. Im RBB-Interview spricht Stadtrat Jörn Oltmann (SPD) von insgesamt 17 Parzellen, die im bezirkseigenen Bestand kompensiert werden können. Für diese Parzellen soll es also Ersatzflächen geben. Warum aber geht Tempelhof-Schöneberg als so unangefochtener Spitzenreiter aus dem KEP hervor? Der Bezirk sei sehr verdichtet, die Bevölkerung wachse stark. Eine völlig überfüllte Schulsituation tue ihr Übriges.

In welcher Reihenfolge die genannten Flächen in Anspruch genommen werden, steht noch nicht fest. Inwiefern die verschiedenen Kleingärten in Berlin im Voraus über die Pläne informiert worden sind, ist unterschiedlich. Im Nachbarbezirk Steglitz-Zehlendorf habe der Informationsfluss bezüglich der Kolonie „Am Fichtenberg“ gut funktioniert, sagt Ralf-Jürgen Krüger, Vorsitzender des Bezirksverbands der Kleingärtner Steglitz, und weiter: „Kein Kleingärtner wird protestieren, wenn es um mehr Platz für Schulen und Kitas geht. Um Streit zu vermeiden, braucht es allerdings Transparenz.“ Zudem gebe es genügend Alternativen zu Kleingärten als Bauland.

Der überarbeitete Entwurf des KEP 2030 soll im Sommer dem Senat und dem Rat der Bürgermeister vorgelegt werden. Mehr dazu hier

Datum: 15. März 2019. Text: Sara Klinke/Nils Michaelis. Bild: Bild: Thinkstock/iStock/Halfpoint