Pläne für House of One werden immer konkreter

Senat überlässt Stiftung Grundstück für symbolischen Euro.

Noch herrscht auf dem Petriplatz unweit des Alexanderplatzes Chaos. Schon bald soll auf der Baustelle aber eines der aufsehenerregendsten Bauprojekte Berlins entstehen: das House of One, ein gemeinsames Glaubenshaus für Juden, Christen und Muslime. Der Senat hat der Stiftung nun das Baugrundstück für einen symbolischen Euro per Erbpacht über 99 Jahre übergeben. „Für uns alle, die seit Jahren an dem Projekt arbeiten, ist dies ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung der Realisierung des House of One“, sagte Rabbiner Andreas Nachama, Vorsitzender des Stiftungsrats. „Mit Dankbarkeit und Freude nehmen wir die wunderbare Neuigkeit zur Kenntnis, vor allem auch das Engagement des Regierenden Bürgermeisters für dieses wegweisende Friedensprojekt. Wir freuen uns darauf, bald mit Michael Müller gemeinsam im künftigen Kuratorium das House of One weiter voranbringen zu können.“ Und auch Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) zeigte sich angesichts der neuesten Entwicklungen erfreut: „Mit dieser Entscheidung würdigt der Senat die große Bedeutung des House of One.“ Es werde künftig als weltweites Vorbild für Toleranz, Offenheit, erfolgreichen Dialog und konstruktives Miteinander der Religionen in einer pluralen Stadt stehen.

Kleiner Rückschlag

Für Wirbel sorgte kurze Zeit nach Bekanntgabe allerdings die Nachricht, dass sich die Schauspielerin Catherine Dussmann aus dem interreligiösen Projekt zurückziehen werde. Sie sei zwar nach wie vor von der Idee überzeugt, wolle aber kein Projekt unterstützen, „das anstelle Verständigung und Dialog zwischen und innerhalb der Religionen zu fördern, neue Konflikte erzeugt“. Als Grund nennt sie wachsende Spannungen um die polarisierende Präsenz des muslimischen Trägervereins in dem Projekt. Dieser gehört der umstrittenen Gülen-Bewegung an, die von anderen muslimischen Verbänden und Moscheevereinen als Partner abgelehnt wird. Ihr Anführer Fetullah Gülen steht im Verdacht, in den Putschversuch in der Türkei im Jahr 2016 verwickelt gewesen zu sein. Mit Dussmann geht eine der finanzstärksten Unterstützerinnen des Projekts. Der Bau des House of One soll 43,5 Millionen Euro kosten. Bislang seien etwa 8,5 Millionen Euro an Spenden eingegangen. Der Bund und das Land Berlin sollen noch einmal jeweils zehn Millionen Euro beisteuern.

Datum: 15. März 2019, Text: Katja Reichgardt/Redaktion, Bild: Kuehn Malvezzi