Sorge um Natur an der Zitadelle Spandau

Bürgerinitiative und Grüne kritisieren den Plan für die Umgestaltung.

Die Zitadelle ist ein, wenn nicht gar das Wahrzeichen von Spandau. Und doch ist die Festung inmitten des dichten Grüns und zwischen diversen Gewerbebauten für Außenstehende nur mit Mühe zu erkennen. Um den Bau aus der Hochrenaissance angemessen zu präsentieren, soll der Außenbereich in den kommenden Jahren umgestaltet werden. Einige Eckpunkte der Planungen wurden jetzt in einem Werkstattgespräch diskutiert.

Freier Blick

Demnach ist unter anderem vorgesehen, den Bastionsweg im südlichen und östlichen Teil als Asphaltweg auszubauen. Entlang der Strecke sollen „Aktivitätsfelder“ entstehen. Darüber hinaus sind Ruheorte und Aussichtsbalkone geplant. Die Tennisplätze im Norden des Glacis werden verschwinden, der Bereich mit Blick auf den Spandauer See soll renaturiert werden. Im Sinne des Natur- und Artenschutzes soll im südlichen Bereich ein naturnaher Parkwald geschaffen werden.

Ende des Jahres 2017 waren bereits einige Hölzer entfernt worden, die die Sicht auf die Zitadelle versperrt hatten. Schon damals protestierten Naturschützer gegen Rodungen und Fällungen. Auch jetzt meldete sich die Bürgerinitiative Zitadelle Spandau (BI) zu Wort: „Unter den geplanten Maßnahmen wird nicht nur ein Landschaftsschutzgebiet leiden, welches durch seine Ursprünglichkeit Natur erlebbar macht, sondern es werden auch gewachsene Lebensräume zerstört, Heimat zahlreicher, teilweise streng geschützten Arten.“ Die BI fordert, die Mittel, die für das Schlagen von „sinnlosen Sichtachsen“, die „Herstellung künstlicher Wege und ahistorischen Aussichtsplattformen“, die niemand benötige, eingesetzt werden sollen, lieber in eine „intelligente, umwelt- und landschaftsschutzgerechte“ Erschließung der Zitadelle zu investieren. Die im Jahr 1920 angelegten Park- und Waldbestände sollten „schonend gepflegt“ und die historische Bepflanzung des Glacis erhalten werden.

Unterschiedliche Interessen

„Der Werkstatt-Termin hat eindrucksvoll gezeigt, dass die Interessenkonflikte zwischen den Vorstellungen des Bezirksamtes und den teilnehmenden Organisationen, insbesondere den Umweltverbänden groß sind“, sagt Elmas Wieczorek-Hahn von der Grünen-Fraktion. „Soweit das Bezirksamt mit dem Werkstattgespräch eine Kompromissfindung angestrebt hatte, ist dies danebengegangen.“ Das Anlegen von Sichtachsen, das Fällen von 30 Bäumen und die Beseitigung von Büschen verbessere Fauna und Flora ebenso wenig wie die Steigerung der Besucheranzahl wie das Bezirksamt glauben machen wolle. „Die Bedeutung des Baudenkmals und sein natürliches Umfeld müssen besser im Bereich des Stadtmarketings herausgestellt und die Ausschilderung verbessert werden“, fordert sie.

Baustadtrat Frank Bewig (CDU) sind die gegensätzlichen Positionen, die im Rahmen der Bürgerbeteiligung offenkundig geworden sind, bewusst. Allerdings sei „der Planungsspielraum hinsichtlich der Fällungen von Bäumen und Sträuchern im Landschaftsschutzgebiet der Zitadelle ist, wie in der Veranstaltung aufgezeigt, sehr gering, und wird im wesentlichen durch die Landschaftsschutzgebietsverordnung bestimmt.“ Alle zukünftig geplanten Maßnahmen werden laut Bewig mit dem Umwelt- und Naturschutzamt abgestimmt werden. Mehr zum Vorhaben und zur Bürgerbeteiligung gibt es hier.

Datum: 16. März 2019. Text: Nils Michaelis. Bild: imago/Jürgen Ritter