Personalnot im Jugendamt

Bezirk will Stellen aufstocken und Mitarbeiter besser bezahlen.

In den vergangenen Wochen gingen auch die Mitarbeiter der Charlottenburg-Wilmersdorfer Jugendämter auf die Straße, um für bessere Arbeitsbedingungen zu demonstrieren. Denn auch im Bezirk herrscht Personalnot, viele Stellen sind weiterhin unbesetzt. Die Situation war nun auch Thema in der vergangenen Bezirksverordnetenversammlung. „Die Personalknappheit führt dazu, dass ein Mitarbeiter Ansprechpartner für zu viele Familien ist. Diese Situation sollte durch eine Fallzahlbegrenzung verbessert werden“, erklärt die Grünen-Fraktionsvorsitzende Petra Vandrey. Derzeit werde Charlottenburg-Wilmersdorf seinem Anspruch als „familienfreundlicher Bezirk“ nicht gerecht. Um das zu ändern, müssen als erstes die offenen Stellen besetzt werden. Dazu ist die Bezahlung der Mitarbeiter des Jugendamtes anzuheben, so Vandrey weiter.

Bessere Arbeitsbedingungen

Auch ihre Arbeitsbedingungen müssen verbessert werden, um den Arbeitsplatz Jugendamt allgemein wieder attraktiv zu machen. Vor allem bei familiengerichtlichen Anhörungsterminen kann das Jugendamt oftmals nicht persönlich anwesend sein und lediglich schriftliche Stellungnahmen beziehen. Für die Grünen-Fraktion kein Zustand, der auf Dauer haltbar wäre. „Wir wollen eine schnellere Beratung von Familien ohne lange Wartezeiten, außerdem eine bessere Unterstützung der Kinder bei familiengerichtlichen Verfahren“, erklären sie in einer Stellungnahme.

Viele Berufsanfänger

Alleine in der Erziehungs- und Familienberatung fehlen zwei Stellen, genauso wie im Bereich der Jugendfreizeiteinrichtungen. Hier könne laut Heike Schmitt-Schmelz auch zunächst nur eine Position nachbesetzt werden, da es an qualifizierten Bewerbungen mangele. Als erfreulich stellt Schmitt-Schmelz hingegen die Entwicklung der Personalsituation in den Regionalen Sozialpädagogischen Diensten (RSD) dar. „Die Zahl der beschäftigten sozialpädagogischen Fachkräfte konnte von 43 im Juni auf 50 im Dezember 2018 gesteigert werden“, heißt es in einer schriftlichen Antwort der Bezirksstadträtin. Dennoch fehlen auch dort noch weitere 13 Mitarbeiter. Die Probleme bei der Fachkräftegewinnung sind die gleichen wie seit Jahren: die hohe Fluktuation unter den sozialpädagogischen Kräften sowie die berlininterne Konkurrenz für diese Stellen. „Ein besonderes Problem bei der Stellenbesetzung ist, dass alle Bezirke kaum noch Sozialpädagogen mit Berufserfahrung gewinnen können, so dass in dem Bereich Kinderschutz zunehmend Berufsanfänger eingestellt werden“, sagt Schmitt-Schmelz.

In Charlottenburg-Wilmersdorf wird nun mit Hochdruck daran gearbeitet, die Situation in den Jugendämtern zu verbessern. Das ist laut Petra Vandrey auch dringend notwendig, will man den Familien gerecht werden: „Kinderschutz, Beratung in Familienkonflikten und die finanzielle Unterstützung sind wichtig für die Familien im Bezirk. Daran müssen wir uns messen lassen.“

Datum: 18. März 2019, Text: Katja Reichgardt, Bild: Thinkstock/iStock/sal73it