Steglitzer Kleingärten weichen Turnhalle

Kleingartenentwicklungsplan des Senats sieht Bebauung von 18 Anlagen in Berlin vor.

Als „süße kleine Idylle“ bezeichnet Ralf-Jürgen Krüger vom Bezirksverband der Kleingärtner Steglitz e.V. die Kleingartenkolonie Am Fichtenberg. Seit 99 Jahren wird die Anlage am Botanischen Garten betrieben. Doch bald ist Schluss. In Kürze sollen Bauarbeiten für eine Sporthalle beginnen. Die mehr als 3.100 Quadratmeter große Anlage wird komplett abgerissen.

850 Parzellen

Die Anlage in Steglitz ist einer von 18 Standorten in Berlin, die ab dem kommenden Jahr Kitas, Schulerweiterungen, Verkehrsprojekten, Turnhallen und anderen Infrastrukturvorhaben ganz oder teilweise weichen müssen. Das sieht der Entwurf des Kleingartenentwicklungsplans (KEP) bis zum Jahr 2030 vor, den Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) jetzt vorgestellt hat und der im Internet eingesehen werden kann. Davon liegen zehn Anlagen in Tempelhof-Schöneberg. Der zweithöchste Anteil entfällt mit drei Kolonien auf den Bezirk Mitte.

In Steglitz-Zehlendorf ist den Angaben zufolge außer der besagten keine weitere Anlage betroffen. Insgesamt könnten in den kommenden zehn Jahren rund 850 Parzellen wegfallen, so Schätzungen aus der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Das entspricht einem Prozent aller Kleingärten. „Der neue Entwurf des Kleingartenentwicklungsplans ist eine sehr gute Botschaft für die Kleingärtner“, so Günther gegenüber dem RBB. „83 Prozent der Fläche sind dauerhaft gesichert, neun Prozent der Fläche sind bis zum Jahr 2030 garantiert und ein Prozent nehmen wir jetzt in Anspruch.“ Der Plan gebe den Pächtern Sicherheit. Betroffene würden außerdem entschädigt – im Schnitt mit rund 7.000 Euro – und erhielten Ersatz.

Neuer Bedarf

Während sich etliche Kleingartenpächter und Lokalpolitiker verschiedener Bezirke von Günthers Ankündigung überrollt fühlen, waren die Laubenpieper am Standort Am Fichtenberg längst auf das Aus für ihre Parzellen vorbereitet. Spätestens seit den 70er-Jahren ist das landeseigene Grundstück als Bauland für das Fichtenberg-Gymnasium ausgewiesen. „Jahrelang wurde aber kein Bedarf für ein neues Schulgebäude gesehen“, so Krüger. Vor gut zwei Jahren sei bekannt geworden, dass nun tatsächlich eine Schulturnhalle gebaut werden soll. Zu diesem Zeitpunkt war die Anlage ohnehin schon von 160 auf 15 Parzellen geschrumpft. Der Baubeginn ist noch offen.

Krüger ist sicher, dass alle Pächter Ersatz in einer der 27 Kolonien im Ortsteil Steglitz finden werden. Das Bezirksamt habe die Fichtenberg-Kleingärtner in all den Jahren stets über die Zukunft ihrer Anlage auf dem Laufenden gehalten. Das könne nicht von allen Bezirken gesagt werden. Krüger: „Kein Kleingärtner wird protestieren, wenn es um mehr Platz für Schulen und Kitas geht. Um Streit zu vermeiden, braucht es allerdings Transparenz.“ Zudem gebe es genügend Alternativen zu Kleingärten als Bauland.

Um das privat bewirtschaftete Stadtgrün dauerhaft zu sichern, hat der Senat im Jahr 2004 einen KEP beschlossen, der fortgeschrieben wurde. Der überarbeitete Entwurf des KEP 2030 soll im Sommer dem Senat und dem Rat der Bürgermeister vorgelegt werden. Mehr dazu hier.

Datum: 19. März 2019. Text: Nils Michaelis. Bild: Thinkstock/iStock/amenic181