Raser machen Siemensdamm unsicher

Neue Polizei-Statistik: mehr Verkehrstote und Unfälle in Berlin.

Der Siemensdamm hat aus Sicht der Verkehrspolizei ein dickes Sündenregister. Angesichts von 17.107 Verfahren wegen Geschwindigkeitsverstößen zählt die Magistrale im Osten des Bezirks zu den fünf Berliner Straßen mit den meisten Raser-Vorfällen. Das geht aus der Unfallstatistik hervor, die die Polizei jetzt für das vergangene Jahr vorgestellt hat. Am Siemensdamm wurden überdies 13 illegale Autorennen gezählt. Mehr waren es nur am Kurfürstendamm (15). Zu den „Top fünf“ zählen zudem die Autobahn 100, die Badstraße und der Tiergarten-Tunnel.

Radfahrer gefährdet

Im vergangenen Jahr hat es im Berliner Straßenverkehr der Statistik zufolge 144.325-mal gekracht. Als Hauptunfallursachen gelten laut Polizei Berlin Fehler beim Abbiegen sowie zu schnelles Fahren und Nichtbeachten der Vorfahrt. Berlinweit kamen im vergangenen Jahr 45 Menschen im Straßenverkehr ums Leben, 2017 waren es noch 36. Insgesamt verunglückten 18.217 Verkehrsteilnehmer, 15.630 wurden leicht und 2.542 schwer verletzt. Das „Hauptaugenmerk“ liegt dabei laut Polizei-Bericht auf Fußgängern, Rollerfahrern und Radfahrern. Elf Radler verunglückten 2018 tödlich, ganze neun mehr als im Vorjahr. In Grunewald wurde im August 2018 ein Mann bei einem Überholmanöver von einem Lkw überrollt. Erst vor wenigen Wochen verstarb eine 37-Jährige nach einem Zusammenstoß mit einem Lkw auf dem Radweg der Alexanderstraße. Der Fahrer hatte sie beim Rechtsabbiegen übersehen.

„Wenn die Koalition die Verkehrswende ernst meint, muss das Mobilitätsgesetz endlich auf der Straße ankommen“, erklärte der ADFC nach Bekanntgabe der Zahlen. Die zuständigen Senatsverwaltungen reagieren derweil mit ersten Maßnahmen. So soll laut Innensenator Andreas Geisel (SPD) die Fahrradstaffel der Polizei noch weiter ausgebaut werden. Noch in diesem Jahr soll sie neben Mitte auch in Friedrichshain-Kreuzberg tätig sein. Außerdem sollen bis Mitte des kommenden Jahres einige Kreuzungen sicherer gemacht werden, darunter auch die Kreuzung Spandauer Damm/Fürstenbrunner Weg/Königin-Elisabeth-Straße und die Ecke Kurfürstendamm/Joachimsthaler Straße.

Autos beschlagnahmt

Auch bei den verbotenen Straßenrennen möchte die Polizei noch härter durchgreifen. Schon 2018 wurden 164 Autos von Rasern beschlagnahmt und 130 Führerscheine eingezogen. Für die CDU geht die Umsetzung der Maßnahmen dennoch zu langsam: „Bis Straßen umgebaut sind oder Busse und Lkw über Abbiegeassistenten verfügen, werden noch Jahre vergehen. Der vage angekündigte Ausbau der Radstaffel der Polizei ist ohne einen verbindlichen Zeithorizont ein ungedeckter Scheck für die Zukunft. Senat und Koalition scheinen den Ernst der Lage immer noch nicht erkannt zu haben“, so ihr verkehrspolitischer Sprecher Oliver Friederici. Jeder Unfall, der im Berliner Straßenverkehr passiere, sei immer noch einer zu viel.

Besorgniserregend nannte die stellvertretende Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Kerstin Philipp, die steigende Zahl von Fällen von Fahrerflucht. 34.204 Menschen hatten sich im Jahr 2018 polizeilichen Maßnahmen entzogen (Vorjahr: 33.150). „Man kann Fehler machen und Unfälle passieren aus verschiedenen Gründen. Sich dann aber zu entfernen, ist feige, respektlos und eine Straftat.“

Die komplette Unfallstatistik der Berliner Polizei gibt es hier.

Datum: 20. März 2019. Text: Nils Michaelis/Katja Reichgardt. Bild: Thinkstock/iStock/Olivier Le Moal

 

 

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