Mini-Häuser auf dem Ikea-Parkplatz

Tom Pollhammer ist ein Nachbar in der neuen kleinen Siedlung

Tom ist der Mann, der noch bis vor wenigen Tagen in einer selbst gezimmerten Hütte völlig unbemerkt von der Öffentlichkeit über acht Jahre lang im Plänterwald gewohnt hat. „Tagsüber war ich unterwegs und abends bin ich in meine Hütte gekrochen, wo ich übernachtet habe“, erklärt der 41-Jährige, der als bildender Künstler bereits halb Europa bereist hat. Auf zehn Quadratmeter Fläche und 1,80 Meter Höhe hatte er alles, was er brauchte: eine Liege, einen Stuhl, ein einen Tisch, Gaskocher, zwei tiefe Teller, zwei Tassen und Besteck – eine Dusche hatte sich Tom aus Wasserflaschen und Schläuchen zusammen gebaut.

Schnelle Hilfe

Anfang März entdeckte ein Förster die 3,50 Meter lange und 2,50 Meter breite Behausung. Da der Bau von Hütten in Landschaftsschutzgebieten nicht erlaubt ist, musste der Künstler Tom sein Waldhaus räumen und war plötzlich obdachlos. Doch Hilfe meldete sich umgehend. Architekt Van Bo Le-Mentzel, Mit-Initiator der inzwischen stadtweit bekannten Tiny-Houses war durch Medienberichte auf Toms Situation aufmerksam geworden. Le-Mentzel und sein Tema halfen Tom dabei, das Haus aus dem Plänterwald zu schaffen und auf einen Pkw-Anhänger zu montieren. Jetzt wurde die Hütte zu einem Teil einer aktuellen Ausstellung in Lichtenberg: Auf dem riesigen Kundenparkplatz des IKEA-Möbelhauses an der Landsberger Allee steht Toms Haus nun neben den bekannten Tiny Houses, einer Miniatur-Siedlung die bereits an einigen Orten in der Stadt zu sehen waren: „Tiny100“, „Wohnmaschine“, „Tiny Temple“, „New Work Studio“ und „Tito-House“ nennen sich die Mini-Häuser, die auf Grundflächen von rund zehn bis 15 Quadratmetern über die Ausstattungen echter Wohnungen verfügen: Dusche, Toilette, Küche, Wohn- und Schlafzimmer gibt es in den kleinen, auf Autoanhängern montierten Häusern, die hier mit Genehmigung des Möbelhauses bis August stehen bleiben dürfen.

Gemeinsam mit Studenten, jungen Familien und anderen Menschen aus der Lichtenberger und Marzahn-Hellersdorfer Nachbarschaft wollen die Bewohner dieser Mini-Siedlung nun das Potenzial von Parkplätzen als Nachbarschaftsraum erforschen. „Was wäre, wenn auf Parkplätzen temporäres Wohnen erlaubt wäre?“, lautet dabei die Fragestellung, die diskutiert werden soll.

Neue Nachbarschaft

Künstler Tom, der noch vor wenigen Tagen illegal mitten im Plänterwald untergekommen war, ist nun Teil dieser Gemeinde. „Meine eigene Hütte, die wir hierher geschafft haben, werden wir noch etwas ausbauen und vor allem in etwas fröhlicheren Farben anstreichen. Ich muss mein Haus ja jetzt nicht mehr tarnen“, sagt Tom, der mit seinem Projekt ganz elementare, künstlerische Ziele verfolgt. „Dieses Haus habe ich ’Haus der Würde des Menschen’ genannt, weil es genau die Grundbedürfnisse erfüllt, auf die jeder Mensch laut Grundgesetz ein Anrecht hat“, sagt Tom, der jetzt auch ein zweites Haus zur vorhandenen Tiny-House-Siedlung dazu bauen will.

Auch das soll eine politische Betitelung erhalten. Am 13. April ab 12 Uhr ist die offizielle Eröffnung des Tiny House Ville in Lichtenberg geplant. Wer Interesse hat, in das Tiny House Ville zu Tom Pollhammer zu ziehen, kann auch dort ein eigenes Tiny House bauen. Den ersten Bau-Workshop bietet die Tiny Foundation bereits jetzt an. Für 11.000 Euro können Laien unter Anleitung eines Tiny House Tischlers in nur elf Tagen ein solches Häuschen fertig stellen. Interessenten können sich online melden.

haerdtner@tinyfoundation.org

Datum 23. 02. 2019. Text und Bild: Stefan Bartylla