Wo es in Charlottenburg-Wilmersdorf am häufigsten kracht

Drei Orte im Bezirk sind Unfallschwerpunkte.

Im vergangenen Jahr hat es im Berliner Straßenverkehr 144.325-mal gekracht. Als Hauptunfallursachen gelten laut Polizei Berlin Fehler beim Abbiegen sowie zu schnelles Fahren und Nichtbeachten der Vorfahrt. Das führt auch im Bezirk zu vielen Unfällen. Gleich drei Orte in Charlottenburg-Wilmersdorf finden sich so auch unter den „Top 5-Unfallschwerpunkten“ wieder. Am häufigsten kommt es am Jakob-Kaiser- Platz zu Unfällen (337). Aber auch der Theodor-Heuss-Platz mit 275 Unfällen und der Ernst-Reuter-Platz (255) gelten als Schwerpunkte. Häufiger kracht es laut Polizei-Auswertung nur an der Ecke Schlesische Straße/Skalitzer Straße in Kreuzberg.

Radfahrer gefährdet

Berlinweit kamen im vergangenen Jahr 45 Menschen im Straßenverkehr ums Leben, 2017 waren es noch 36. Insgesamt verunglückten 18.217 Verkehrsteilnehmer, 15.630 wurden leicht und 2.542 schwer verletzt. Das „Hauptaugenmerk“ liegt dabei laut Polizei-Bericht auf Fußgängern, Rollerfahrern und Radfahrern. Elf Radler verunglückten 2018 tödlich, ganze neun mehr als im Vorjahr. In Grunewald wurde im August 2018 ein Mann bei einem Überholmanöver von einem Lkw überrollt. Erst vor wenigen Wochen verstarb eine 37-Jährige nach einem Zusammenstoß mit einem Lkw auf dem Radweg der Alexanderstraße. Der Fahrer hatte sie beim Rechtsabbiegen übersehen. „Wenn die Koalition die Verkehrswende ernst meint, muss das Mobilitätsgesetz endlich auf der Straße ankommen“, erklärte der ADFC nach Bekanntgabe der Zahlen. Die zuständigen Senatsverwaltungen reagieren derweil mit ersten Maßnahmen. So soll laut Innensenator Andreas Geisel (SPD) die Fahrradstaffel der Polizei noch weiter ausgebaut werden. Noch in diesem Jahr soll sie neben Mitte auch in Friedrichshain-Kreuzberg tätig sein.

Außerdem sollen bis Mitte des kommenden Jahres einige Kreuzungen sicherer gemacht werden, darunter auch die Kreuzung Spandauer Damm/Fürstenbrunner Weg/Königin-Elisabeth-Straße und die Ecke Kurfürstendamm/Joachimsthaler Straße. Der Ku’damm gilt nach wie vor als Raser-Hotspot. Auch bei den verbotenen Straßenrennen möchte die Polizei härter durchgreifen. Schon 2018 wurden 164 Autos von Rasern beschlagnahmt und 130 Führerscheine eingezogen. Für die CDU geht die Umsetzung der Maßnahmen dennoch zu langsam: „Bis Straßen umgebaut sind oder Busse und Lkw über Abbiegeassistenten verfügen, werden noch Jahre vergehen. Der vage angekündigte Ausbau der Radstaffel der Polizei ist ohne einen verbindlichen Zeithorizont ein ungedeckter Scheck für die Zukunft. Senat und Koalition scheinen den Ernst der Lage immer noch nicht erkannt zu haben, “ so ihr verkehrspolitischer Sprecher, Oliver Friederici. Jeder Unfall, der im Berliner Straßenverkehr passiere, sei immer noch einer zu viel.

Viele Fahrerflucht-Fälle

Besorgniserregend nannte die stellvertretende Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Kerstin Philipp, auch die steigende Zahl von Fällen von Fahrerflucht. So haben sich 34.204 Menschen im Jahr 2018 polizeilichen Maßnahmen entzogen (Vorjahr: 33.150). „Man kann Fehler machen und Unfälle passieren aus verschiedensten Gründen. Sich dann aber zu entfernen, ist feige, respektlos und ganz nebenbei eine Straftat, “ erklärt Philipp.

Datum: 24. März 2019, Text: Katja Reichgardt, Bild: Thinkstoc/kistock/Kichigin