Siemensstadt: Bei Infinera ist endgültig Schluss

Unternehmen und Agentur für Arbeit gründen Transfergesellschaft.

Das Schicksal des Infinera-Werks in Siemensstadt ist besiegelt: Das Werk wird zum 30. September geschlossen. Betroffen davon sind rund 400 Mitarbeiter. Die IG Metall hatte kurz vor Bekanntwerden der Entscheidung der Konzernführung am Dienstag mitgeteilt, nach wochenlangen Auseinandersetzungen habe man sich mit Betriebsrat und Arbeitgeber auf eine Lösung verständigt. Dabei bezog sich die Gewerkschaft offenbar auf die jetzt ausgehandelten Konditionen zur nun endgültigen Schließung.

Die Beschäftigten sollen laut Medienberichten mit maximal 75.000 Euro pro Kopf abgefunden werden. Die Agentur für Arbeit und Infinera finanzieren eine Transfergesellschaft. Dort können Mitarbeiter für 80 Prozent des Nettolohns maximal etwa ein Jahr verbleiben. Zudem bekommen sie Unterstützung bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz.

Schwerer Schlag für Spandau

„Die Schließung ist ein schwerer Schlag für die Beschäftigten und ihre Familien, aber auch den Industriestandort Spandau”, erklärte die Bundestagsabgeordnete Helin Evrim Sommer (Die Linke). ” Ich bedauere zutiefst, dass der engagierte und kreative Protest der Mitarbeiter kein besseres Ergebnis gebracht hat.” Unverständlich sei, dass sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU)  trotz signalisierter Gesprächsbereitschaft nicht aktiv in die Gespräche zum Erhalt des Werkes eingeschaltet habe. “Ich hätte hier ein größeres Engagement von der Bundesregierung, aber auch dem Berliner Senat erwartet”, sagte Sommer. Sie erwartet nun, dass die Landesregierung und Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD)  im Zuge der geplanten Transfergesellschaft mithelfen, dass die Beschäftigten von Infinera neue Arbeitsplätze möglichst direkt in der Siemensstadt finden.

Die Schließungspläne waren im Januar bekannt geworden. Seitdem haben Belegschaft und IG Metall zu wiederholten Protestaktionen aufgerufen. Das US-amerikanische Unternhemen Infinera hatte den Standort am 1. Oktober 2018  von der Firma Coriant übernommen, die früher Teil von Siemens war. Die Produktion optischer Übertragungssysteme für schnelle Datenleitungen im Bereich Telekommunikation soll nach Asien verlegt werden.

Datum: 27. März 2019. Text: Redaktion. Bild: imago/Jürgen Ritter