Raus aus der Stadt, ab in die Heide

Violette Teppiche aus blühendem Heidekraut im Berliner Umland.

Wussten Sie, dass die Gemeine Heideschnecke zum Weichtier des Jahres gekürt wurde? Und wussten Sie, dass die Rostrote Mauerbiene das Insekt des Jahres ist? Uns aus der Abendblatt-Redaktion war das bisher nicht bekannt. Deshalb möchten wir Ihnen, liebe Leser, in unserer neuen Serie die Naturwesen des Jahres 2019 näher vorstellen. Ob Vogel, Schmetterling, Nutztier, Baum, Orchidee oder Alge – sie alle haben ihre Geschichte und diese wollen wir Ihnen erzählen. Wir starten heute mit der Blume des Jahres, der Besenheide.

Weite Aussichten, sanfte Hügel und violette Teppiche aus blühendem Heidekraut – ein Spaziergang in der Heide ist romantisch und geheimnisvoll zugleich. Berliner müssen für dieses Naturerlebnis nicht einmal bis in die Lüneburger Heide fahren, sondern können auch im Umland fündig werden. Bei Luckenwalde etwa gibt es die letzte Binnenwanderdüne Europas, in der Döberitzer Heide leben Wildpferde und Wisente, die kleine Mittelheide liegt versteckt im idyllischen Erpetal und die Schönower Heide lockt mit Dam- und Rotwild.

Unsere Blume des Jahres, die Besenheide, blüht leuchtend violett von August bis September und sorgt damit für sommerlichen Augenschmaus. Die Blüten sind auch bei Insekten wie der Honigbiene beliebt. Als Futterpflanze dient sie Schmetterlingen. Als bedroht gilt die Besenheide deutschlandweit nicht. Allein in den Bundesländern Berlin und Hamburg ist die Art auf der Roten Liste als gefährdet eingestuft. Um auf diese Gefährdung und den Verlust ihrer Lebensräume aufmerksam zu machen, hat die Hamburger Loki Schmidt Stiftung die Besenheide zur Blume des Jahres 2019 benannt. Sie setzt sich stark für den Erhalt und die Pflege von Heidelandschaften ein.

Die Entstehung von Heidelandschaften liegt mehr als 5.000 Jahre zurück. Große Waldbrände hinterließen den Bauern der Steinzeit kostbares Weideland für Nutztiere. Gleichzeitig verschaffte das Feuer den Heidepflanzen einen guten Nährboden. Bauern ließen ihr Vieh in der Folge ganzjährig auf der Heide weiden, um den Waldwuchs zurückzudrängen oder entfachten immer wieder kleine, kontrollierte Heidebrände. So entstand eine ausgewogene Landwirtschaft. Auch ehemalige Truppenübungsplätze entwickelten sich zu Heidelandschaften. Durch die Industrialisierung und die Einstellung der Militärplätze entwickelten sich die ursprünglichen Heidegebiete seit 1850 um mehr als 80 Prozent zurück.

Datum: 15. April 2019, Text: Sara Klinke, Bild: Udo Steinhäuser/Loki Schmidt Stiftung