Kräuterprofi in Gefahr

Das Reh ist Wildtier des Jahres – Kitzen droht oft der grausame Mähtod.

Dürfen wir vorstellen: das Reh! Die Deutsche Wildtier Stiftung hat das Reh zum Wildtier des Jahres ernannt.  Ricke, Rehbock, Schmalreh und Kitz kommen bei uns flächendeckend bis hin zum  Stadtrand vor. Vom Aussterben bedroht sind sie in Deutschland bei Weitem nicht. Und dennoch: Die Stiftung möchte mit der Benennung des Rehs zum Wildtier des Jahres das vermeintlich bekannte Tier vorstellen, aber auch auf Probleme rund um den Lebensraum der Tiere aufmerksam machen.

Gefahr auf dem Feld

„Den meisten Menschen in unserem Land ist nur wenig über Rehe bekannt“, sagt Hilmar Freiherr von Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung. Kinder würden es häufig für die „Frau des Rothirschen“ halten und leider seien auch immer weniger Erwachsene mit diesem Wildtier vertraut. Lebensraum des Rehs sind Wälder und Feldflur. Im Wald wird es oft von Jägern verfolgt, da es an jungen Bäumen knabbert. Mehr als eine Million Rehe werden jährlich gelegt.   Die Art der Jagd sollte sich laut Wildtier Stiftung stärker den Bedürfnissen der Wildtiere anpassen – dazu würden unter anderem kürzere Jagdzeiten gehören.

Im Offenland droht vor allem auf den Wiesen Gefahr, wenn dort die Kitze von ihren Müttern versteckt werden und der Landwirt beginnt, das Gras zu mähen. Dabei werden Kitze oft getötet oder verstümmelt. „Wiesen dürfen nicht länger zur Todesfalle für die Rehkitze werden“, sagt der Freiherr. Er fordert: „Landwirte und Jäger müssen noch mehr tun, um Kitze vor der Mahd zu retten und die Agrarpolitik sollte Landwirte besser honorieren, wenn sie statt im Mai erst Anfang Juli ihre Wiesen mähen.“ Dies rette nicht nur Rehkitze, sondern auch die Gelege und Küken von am Boden brütenden, oft hoch bedrohten Vogelarten.

Auch in Verkehrsunfälle sind Rehe oft verwickelt. 200.000 Tiere fallen jährlich dem Straßenverkehr zum Opfer. Die Wildtier Stiftung erinnert: „Wenn Autofahrer das Warnschild für Wildwechsel sehen, sollten sie die Straßenränder im Auge behalten und bremsbereit fahren.“ Dann lasse sich ein Wildunfall eher vermeiden.

Ausgewählte Kost

Rehe ernähren sich hauptsächlich von Blättern und Kräutern sowie jungen Gräsern und Knospen. Sie wissen genau, welche Kräuter ihnen gut- tun. Ein etwa 20 Kilogramm schweres Tier braucht zwischen zwei und vier Kilogramm Nahrung pro Tag. Als Fluchttiere sind sie auf ihren hochsensiblen Geruchssinn angewiesen. Rehe können einen Menschen auf mehr als 300 Meter Entfernung wittern.

Datum: 17. April 2019, Text: Sara Klinke, Bilder: Getty Images Plus /iStock/srniak, nearandfar, Urmas83